Interview: Internationale Suchmaschinenoptimierung und Übersetzungen für den E-Commerce

Internationalisierung ist eines der Trendthemen im E-Commerce. Wer seinen Onlineshop auf die Bedürfnisse ausländischer Märkte ausrichten möchte, muss einiges beachten, um erfolgreich zu sein. Deshalb haben wir uns in punkto Übersetzung und Suchmaschinenoptimierung mit jemandem unterhalten, der sich auskennt: Roman Probst, CEO der TRANSLATION-PROBST AG. Er weist dabei auf die Bedeutung der «Kundenfreundlichkeit», der Ausrichtung der Sprache auf das Zielpublikum, hin. Zudem befasst er sich mit der Emotionalität von Werbetexten, der Suchmaschinenoptimierung sowie verschiedenen Fragen zur Übersetzung von Marketingtexten.

Die TRANSLATION-PROBST AG feiert im nächsten Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Gratulation! Haben Sie in der Zeit seit der Gründung eine Verschiebung von Print- zu Webinhalten feststellen können?

Roman Probst: In den vergangenen zehn Jahren hat sich hat sich der Gebrauch der Medien deutlich verändert. Unternehmen benutzen heute oft Onlinemedien und setzen auf starken Content, der von den Suchmaschinen gefunden wird. Wir redigieren und übersetzen in diesem Bereich häufig ganze Websites, Landingpages oder Newsletters. Dabei ist natürlich insbesondere die Auffindbarkeit bei Google zentral – deswegen ist es wichtig, die Texte auf die Kundensprache auszurichten und die Keywords der Zielgruppen zu kennen. Speziell bei Websites ist auch die Aktualisierung ein wichtiges Thema, da sie sich ja meistens in einem stetigen Wandel befinden. Nach wie vor übersetzen wir aber auch klassische Printmedien, beispielsweise Broschüren, Verträge oder Geschäftsberichte. Bei diesen Produkten spielt die Länge eine zentrale Rolle, da der Platz beschränkt ist. Wichtig ist natürlich auch die Flexibilität im Dateiformat: Oft gefragt sind zum Beispiel Übersetzungen direkt im InDesign.

Sie haben die Website des Kantons Zug in 14 Sprachen übersetzt. Das klingt nach einer Herausforderung. Warum müssen Websites in so vielen Sprachen angeboten werden? Spricht heutzutage nicht jeder Englisch?

Roman Probst: Englisch ist mit Sicherheit die Standardsprache in der globalisierten Kommunikation. Beim Kanton Zug ging es jedoch um etwas anderes: um Integration und Bürgerbindung. Der Kanton Zug übernimmt da eine Vorbildfunktion und geht die Extrameile, um ausländische Mitbürger abzuholen. Denn je mehr sich diese angesprochen fühlen, desto besser gestaltet sich auch deren Integration. Davon profitieren letztlich auch die kantonale Verwaltung und die Zuger Gesellschaft. Und wie man weiss, zahlt sich «Kundenfreundlichkeit» aus.

Für die Schweizer ist Mehrsprachigkeit von Amts wegen ein alltägliches Thema. Sind Unternehmen in der Schweiz in punkto Übersetzung sensibler als anderswo in Europa?

Roman Probst: Es kommt darauf an, in welchen Sprachregionen Unternehmen tätig sind. Ein KMU, das beispielsweise nur im deutschsprachigen Raum tätig ist, wird vermutlich weniger für Übersetzungen sensibilisiert sein als eines, das mehrere Sprachregionen in der Schweiz oder in Europa bedient. Ich denke aber, dass es grundsätzlich schwierig ist, die Schweiz und Europa in dieser Hinsicht zu vergleichen. Unbestritten ist, dass die Schweizer aufgrund der vier Amtssprachen von klein auf mit Mehrsprachigkeit konfrontiert werden. Weil diese Mehrsprachigkeit immer wieder ein Thema ist, verstärkt sich auch das Bewusstsein dafür. Demzufolge ist die Qualität ein zentrales Kriterium für Übersetzungen. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass bereits fehlerhafte E-Mails einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Oder dass Bewerbungen, die nicht korrekt verfasst sind, bereits in der Vorselektion ausscheiden. Schliesslich geht es beim Marketing um alles oder nichts. Weil die Angebote oft sehr ähnlich sind und sich viele gute Anbieter eines Produkts oder einer Dienstleistung auf dem Markt tummeln, entscheiden Feinheiten. Oft geht es dann um die Kommunikation.

Unsere Leser kommen aus dem E-Commerce-Umfeld. Worauf muss man aus Ihrer Sicht bei der Übersetzung von Onlineshop-Inhalten achten?

Roman Probst: Auf eine klare und zielgruppenspezifische Sprache. Wer online shoppt, sollte das Gefühl haben, in seinem Lieblingsladen um die Ecke zu sein, so dass er sich abgeholt und verstanden fühlt. Dieses Gefühl ist zentral in jeder Sprache, und das muss die Übersetzung leisten. Dies gelingt einerseits, wenn die Übersetzung keine Übersetzung ist, sondern ein massgeschneiderter Text. Dies gilt speziell im Bereich E-Commerce, denn da geht es schnell, und das nächste Angebot ist nur einen Klick entfernt. In der Praxis ist es oft so, dass Online-Händler Top-Einkäufer haben, denn dies ist ja ihre Kernkompetenz. Aber sie haben nicht zwingend tolle Texter. Deshalb ist unser Text-Service gefragt. Konkret sieht das so aus, dass wir aus Stichworten einen zielgruppenspezifischen, emotional ansprechenden und leicht zu lesenden Text erstellen. Dieser Text ist auch SEO-optimiert, damit die Produkte im Shop über Suchmaschinen gefunden werden. So entsteht mehr Traffic, und letztlich wird mehr Umsatz für den Shop generiert.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Flexibilität bei den CMS-Systemen. Zum Angebot etablierter Übersetzungsbüros gehört es, die Texte modern und einfach via Plug-ins zu exportieren bzw. zu importieren. Das spart unter dem Strich Zeit und Geld und entspricht einem grossen Kundenbedürfnis.

Kann man Suchwörter «einfach übersetzen»?

Roman Probst: Ja und nein. Je nach Land und Leute werden bestimmte Produkte unter Umständen mit anderen Begriffen gesucht. Dies gilt es natürlich zu überprüfen, dazu dienen auch A-B-Tests. Unter dem Strich zählt, was Umsatz macht. Entscheidend ist, dass der Text gefunden wird, dann kann das Unternehmen das Potenzial der Website auch voll ausschöpfen. Darum setzen wir bei den Übersetzungen nur muttersprachliche Übersetzer ein: Sie kennen sowohl das Fachgebiet und die Branche des Unternehmens als auch dessen Kunden. Überdies sind sie bestens mit der Textsorte vertraut und können sich in die Zielkunden reinversetzen. Wenn zum Beispiel ein Skihersteller auf seiner Website nur Fakten über die Länge und das Gewicht eines Skis angibt und übersetzt, fehlen dem Endkunden die Emotionen und der Mehrwert. Macht sich der Skihersteller die Mühe, die spürbaren Vorteile für seine Kunden zu texten und zu übersetzen ist der Verkauf wohl erfolgreicher.

Welche Vorgehensweise empfehlen Sie, wenn ein Unternehmen mit Onlineshop in die internationale Suchmaschinenoptimierung einsteigen möchte?

Roman Probst: Es geht darum, dass Google und die Kunden die Website gut finden und diese möglichst weit oben gerankt ist. Dafür müssen Keywords definiert werden, die auf die Corporate Language des Unternehmens abgestimmt sind. Dies erhöht den Wiedererkennungswert; sowohl die Suchmaschinen als auch die Kunden landen schneller auf der Website des Unternehmens. Es ist ein Kundenbedürfnis, dass wir die neuesten Technologien von SDL Trados und MultiTerm einzusetzen wissen. So ist sichergestellt, dass die Corporate Language und Terminologie des Unternehmens immer eingehalten wird – egal in welcher Sprache.

Vielen Dank!

Gesprächspartner
Roman Probst im Gespräch mit OXID eSalesEngagiert, enthusiastisch, bereist: Roman Probst ist Unternehmer aus Leidenschaft. Sein Gespür für Kommunikation feilte der diplomierte Kommunikator FH in Theorie und Praxis: An der ZHAW studierte er von 2003 bis 2007 Journalismus und Organisationskommunikation, und im Juni 2014 schloss er ebenfalls an der ZHAW einen CAS Digital Marketing ab. Bevor Roman Probst 2005 sein Übersetzungsbüro, inzwischen eines der führenden in der Schweiz, eröffnete, war er als Sprachlehrer an einer Handelsschule, als Kommunikationsverantwortlicher von PADI Europe sowie als Product Manager für den Schweizer Reiseveranstalter Hotelplan tätig.

Die TRANSLATION-PROBST AG ist eine mehrfach ausgezeichnete Übersetzungsagentur und bietet Übersetzungen, Terminologie-Management, Textservice und Dolmetschen mit Qualitätsgarantie. Der Gründer und CEO Roman Probst erhielt für sein Unternehmen im April 2012 das begehrte KTI-Label des Schweizer Bundes. Heute arbeiten 20 Festangestellte sowie ein Netz von über 300 hochqualifizierten Übersetzern, Textern und Korrektoren für die TRANSLATION-PROBST AG.

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