Interview: Location Intelligence – mehr als iBeacons

In letzter Zeit haben die Google-Alerts zum Thema iBeacons Auftrieb erhalten. In Düsseldorf wird getestet, in der FAZ Sorgen geäußert und bei der Dmexco waren menschliche Beacons anzutreffen. Aber irgendwie beschleicht einen das Gefühl, dass es da um mehr gehen muss als um kleine Plastiksender. Deshalb haben wir die Gelegenheit ergriffen und uns mit James Brayshaw, Vice President EMEA bei Pitney Bowes über Location Intelligence unterhalten.

Für Einsteiger: Geben Sie uns eine kurze Definition von Location Intelligence?

James Brayshaw: Location Intelligence ist eine Möglichkeit, die Beziehungen zwischen Geodaten (Location) zu verstehen, um geschäftlichen Herausforderungen zu begegnen. Es geht also um die Fähigkeit, fundierte Entscheidungen auf der Grundlage von Geographie und Standort zu treffen.

Dabei ermöglicht Location Intelligence Anwendern die

  1. Datenanreicherung – Unternehmensdaten werden mit Standortinformationen angereichert. Dies geschieht mithilfe von “Geocodes”, Breiten- und Längengrad-Koordinaten, Ortsangaben oder Demografiedaten.
  2. Datenanalyse – Geodaten werden als Basis für eine fundierte Entscheidungsfindung analysiert.
  3. Visualisierung von Daten – Informationen werden auf einer Karte räumlich erfasst, um eine tiefere visuelle Analyse durchzuführen und diese z.B. mit Kunden oder Kollegen zu teilen.

Wie funktioniert Location Intelligence im “echten Geschäftsleben”?

James Brayshaw: Wir haben tolle Erfolgsgeschichten aus allen Branchen – wir unterstützen Unternehmen dabei, Kundendaten zu managen und Location Intelligence wirksam einzusetzen, um Geschäftsdaten anzureichern, zu analysieren und zu visualisieren. Und über eine Milliarde Menschen rund um den Globus nutzen „Pitney Bowes Location Intelligence“-Lösungen, wenn sie auf Social-Media-Plattformen Location-Sharing-Features verwenden.

Wir betreuen fünf der Top 10 der größten Telekommunikationsunternehmen weltweit. Wir sehen die entscheidenden Herausforderungen der Telekommunikationsbranche in den Bereichen Netzwerkoptimierung, Besteuerungsrecht, Reduzierung der Abwanderungsraten sowie der Verbesserung des Kundenservices und der Verringerung der Gemeinkosten. Ein Beispiel: GreatCall, Inc. ruft unsere branchenspezifischen Datensätze nach Bedarf ab, um sofort landesweit präzise Servicekontakte bereitzustellen.

24 der Top 25 Sach- und Unfallversicherer sind Kunden von Pitney Bowes. Wir sehen die größten Aufgaben der Versicherungsbranche darin, Risiken und Gefährdungspotenzial zu managen. Barbican Insurance etwa setzt demografische und standortbasierte Daten ein, um das Gefahrenpotenzial für spezifische Gebiete einzustufen. Dadurch werden auch die Versicherungskunden dabei unterstützt, ihre Risiken zu minimieren und ihre Ansprüche und Versicherungskosten besser zu managen.

Wir betreuen weltweit auch viele der Top-Finanz-Institute und Banken. In der Finanzbranche sehen wir wichtige Einsatzbereiche in der Standortverbesserung bis hin zur Planung von Marketingmaßnahmen.

Im Bereich Handel betrifft Location Intelligence die Standortidentifikation bis hin zur Planung von Marketingmaßnahmen. 30 der 50 größten Handelsunternehmen in Nord-, Mittel- und Südamerika vertrauen unseren Lösungen. Goodlife Health Clubs nutzen zum Beispiel demografische Daten, um die Standortauswahl zu verbessern. Dieses Vorgehen ist entscheidend für die Expansionsstrategie und die Erzielung eines echten Wettbewerbsvorteils. Oder Domino’s Pizza: Das Unternehmen nutzt ortsbezogene Daten, um den zeitlichen Aufwand zu reduzieren, der für die Planung des Franchise-Gebiets benötigt wird. Zudem wird so das Bestellerlebnis der Kunden verbessert, da die Informationen zur nächstgelegenen Filiale jederzeit abrufbar sind. Ein anderes Beispiel ist Pepperidge Farm, die ortsbezogene Daten verwenden, um ihren Mitarbeitern eine Entscheidungsbasis zur Umsetzung des Vertriebskonzepts über den Handel zu liefern. Ein letztes Beispiel aus dem echten Leben, das ich nennen möchte ist INRIX. Das Unternehmen koordiniert Demografie und Kundenverhaltensmuster in Bezug auf die Verkehrslage. So ergeben sich solidere Erfahrungswerte zur Routenplanung mittels GPS.

Die meisten unserer Leser kommen aus der E-Commerce-Branche. Wie können sie von Location Intelligence profitieren?

James Brayshaw: Hier möchte ich gern mit einem (englischsprachigen) Video antworten.

Diese Frage ist besonders für das deutsche Publikum interessant, das als sehr sensibel im Bereich Datenschutz gilt: Wie werden die Daten gesammelt und verarbeitet?

James Brayshaw: In Europa arbeiten wir meistens mit Datenlieferanten zusammen, von denen wir die Inhalte für unsere Geodaten beziehen. Wir konsolidieren die Daten und reichern sie entsprechend an, damit sie benutzerfreundlicher und für unsere Technologie optimiert sind.

Für die Entwicklung, verschiedene Vertriebskanäle des standortgebundenen Handels und E-Commerce zu integrieren, klingt Location Intelligence nach der idealen Strategie, um die Bedürfnisse von „kanalwechselnden“, mobilen Kunden zu identifizieren. Worauf müssen Unternehmen bei der Umsetzung achten?

James Brayshaw: Um ihre Märkte präzise anzugehen und Wachstum zu generieren, müssen Unternehmen wissen, wo ihre Kunden wohnen. Sie müssen nach Konsumentengruppen und Einkaufsverhalten segmentieren. Außerdem können sie einen Vorteil daraus ziehen, wenn sie wissen, wo Kunden sich im Laufe des Tages aufhalten, um Angebote gezielt nach Attraktivität z. B. für ein Ladengeschäft, den Standort einer Bank oder sogar ein Ereignis platzieren zu können.

Pitney Bowes bietet integrierte Lösungen für unterschiedlichste Vertriebskanäle an, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Kunden zu Hause, bei der Arbeit oder unterwegs bedarfsgerecht anzusprechen. So gelingt es Unternehmen, neue Wachstumschancen zu nutzen und ihre Kunden langfristig zu binden.

Wie fügt sich Location Intelligence in eine bestehende Business Intelligence-Umgebung ein, die ein Unternehmen möglicherweise bereits im Einsatz hat?

James Brayshaw: Mit Business Intelligence (BI)-Systemen lassen sich anspruchsvolle Abfragen, Analysen, Berichte und Scorecards erstellen. Sie geben Antworten auf die Fragen „Wie“, „Was“ und „Warum“. Sie zeigen aber nur eine eingeschränkte Sichtweise, weil sie nicht in der Lage sind, ortsbezogene Daten wie beispielsweise Infrastruktur-, Demografie-, oder Vertriebsstrukturdaten mit einzubeziehen. Location Intelligence (LI) erweitert BI-Systeme um die Antwort auf die Frage nach dem „Wo“:

  • Geographische Visualisierung
    Eine Karte erlaubt es Anwendern, ortsbezogene Muster und Entwicklungen sowie leistungsbezogene Daten zu visualisieren, die sich auf der Basis von Berichten, Charts und Grafiken häufig nicht erkennen lassen.
  • Bidirektionale Interaktion
    Spectrum Spatial für BI gewährleistet fundierte Analysen, indem Daten aus einem Bericht an eine Karte übergeben werden können und umgekehrt.
  • Räumliches Filtern
    Geografisches Filtern ermöglicht es Anwendern, eine räumliche Dimension einzuarbeiten, um einen Bericht zu analysieren und zu modifizieren, sodass räumliche Beziehungen gezeigt und Trends ermittelt werden können.
  • BI-Datenanreicherung

Spectrum Spatial verbindet die Technologien der räumlichen Analyse und Visualisierung mit dem BI-System. So kommen LI-Daten vollständig zum Einsatz und es lassen sich ganz neue Einblicke gewinnen.

Vielen Dank!

GesprächspartnerJames_Brayshaw_sw
James Brayshaw, BSc CEng MICE FICES
James Brayshaw ist Vice President EMEA für Location Intelligence bei Pitney Bowes Software. Er zeichnet verantwortlich für den Bereich Geoinformationssysteme (GIS), ehemals MapInfo, sowie die Enterprise-Technologie und Datenmanagement-Plattform Spectrum inklusive der Weiterentwicklung von Location Analytics.

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