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360° Commerce – Falsche Antworten und richtige Fragen zur Kanalverknüpfung

Wir leben in Zeiten, in denen sich klassische Händler unter großem Druck sehen. Auch Hersteller und produzierende Unternehmen werden immer mehr zu Händlern mit Direktabsatz. Sie müssen sich mit der Zielgruppe Endverbraucher zunehmend auseinandersetzen.

Die Frage nach Absatzmärkten, Kanälen, Technologien und sinnvollen Strategien bestimmt mit einer neuen Dringlichkeit die Debatten. Jetzt kann man sich trefflich darüber streiten, ob Multichannel funktioniert oder nicht: “Omni-Channel = Nein Danke?” Oder bei wem es sich lohnt und bei wem nicht: “Auch Butlers rutscht trotz Strategiewechsels in die Insolvenz.” Oder warum und warum nicht: “Butlers: Was können Depot, Christ, P&C und Co. daraus lernen?” 

Paradox ist, dass diese Debatte der Experten, diejenigen, um die gestritten wird – nämlich die Kunden und Verbraucher – gar nicht interessiert (Digital Report 2017: So digital ist Deutschland). Der Endverbraucher sieht sich als Kunde und User und ist in erster Linie immer Mensch. Er agiert so, wie es der inzwischen schon ältere Slogan von dm sehr treffend auf den Punkt gebracht hat: „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein.“

Den Menschen im Blick, rundum – 360° Commerce

Dieser Slogan verdeutlicht den Perspektivenwechsel des Händlers/Unternehmers auf die Sicht der kaufenden Person. Also auf die eigentliche Zielgruppe, die sich eingeladen fühlen soll zu kaufen und für die man die Kauf-Hürden möglichst weit herabsetzen möchte.

Genau dies ist jenseits von technischen Definitionen auch der Gedanke hinter dem Begriff „360° Commerce“. Es geht nicht mehr um die Frage, welcher Beitrag in welchem Medium welchem Kanal zuzuordnen ist oder wie die technische Integration, Budget-Umsatzplanung und Erfolgsmessung dargestellt werden soll. Es geht darum, weg vom Kanal zu denken und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Man versetzt sich in seine Lage, versucht, seine Bedürfnisse, Situation und Motivation zu verstehen. Eine 360° Sicht auf den Menschen eben.

Das Comiczeichner-Duo Hauck und Bauer bringt es in einem Facebook-Post humorvoll auf den Punkt:

Hauk und bauer 360 Grad FacebookQuelle: Hauk und Bauer, Facebook

Das Erkennen, was tatsächlich für den Kunden relevant ist und seinen Bedürfnissen entspricht, spielt heute für Händler eine sehr große Rolle. Kampagnen dürfen nicht aus der Sicht des Verkäufers konstruiert sein. Sondern sie müssen den Weg zum Ziel ebnen, das der Kunde bereits vor Augen hat.

Drei Beispiele für 360° Sales mit Köpfchen

1. Sales Kanal Mail – jenseits von „Spam“, „löschen“ und „Browser lädt“

E-Mails sind nach wie vor ein extrem wichtiges Instrument für die Vermarktung und Customer Loyalty. Das mobile E-Mail-Abrufen ist eine der häufigsten Routine-Aktivitäten. Da es im Normalfall auch mehrmals täglich durchgeführt wird, ist die rundum-die-Uhr Erreichbarkeit hier besonders hoch.

Ein großer Nachteil ist jedoch die geringe Aufmerksamkeit: Der Nutzer wartet nicht auf ihr Mailing und es ist nur eines unter vielen. Nur mit sehr hoher Relevanz und passgenauer Ansprache erzielt man die gewünschte Interaktion. Beim Stöbern im Shop oder bei Recherchen ist dies etwas Anderes. Da haben Sie die volle Aufmerksamkeit und Zeit für Inspiration und Beratung. Dennoch ist das E-Mail-Marketing nicht totzukriegen und spannende neue Konzepte sind auf dem Weg.

2. Social Media – Unterhaltung und Fakten auf der Spur

Während am Kontaktpunkt „Mail“ der Content prägnant und auf den Punkt sein muss, steht bei den Social Networking Plattformen die Unterhaltung im Vordergrund. Jedes dieser Netzwerke von Twitter, Facebook über Instagram und Google+ hat spezifische Anforderungen an attraktiven Content. Haben Sie eigene Plattformen? Nutzen Sie diese. Egal ob Forum, Blog oder Community Plattform. Bieten Sie eine Podcast-Serie und pflegen Sie den eigenen Youtube-Kanal, um mit Bewegbild zu punkten. Finden Sie den für Sie richtigen Mix. Dabei ist weniger oft mehr.

Einen Blick lohnen auch die vermeintlichen Teen-Plattformen, wie es Snapchat und auch Whatsapp ursprünglich einmal waren und zu denen Musically heute noch zählt. Sie werden schnell als jenseits der kaufkräftigen Zielgruppe abgetan. Das ist mittelfristig zu kurz gedacht und sogar falsch, denn Reichweite wächst und entwickelt sich. Und auch die Userschaft der Unter-18-Jährigen konsumiert und das äußert markensensibel. Auch wenn sie viele Kaufabschlüsse nicht selbst durchführt, so bestimmt sie die Kaufentscheidung maßgeblich mit.

Bei allem was auf Social Plattformen passiert, geht es um den Menschen als ein soziales Wesen. Als solches erinnern wir uns an gute Bilder, Geschichten oder Diskussionen. Tatsächlich leistet unser Gedächtnis einen großen Beitrag zu unserem Gefühl von Identität. Geben Sie Ihren Nutzern etwas, woran sie sich erinnern werden. Dafür ist der Kanal, auf dem Sie das tun, zweitrangig.

3. Kauf doch mal was Neues…! – Produkte und Produktion

Wie kann man dem Kunden im Nachgang zum Kauf etwas Wertvolles anbieten? Die Theorie des Customer Lifecycles klingt gut: Im After-Sales-Stage wird der Kunde „gehalten“ und zum Upsell gebracht. Danach beginnt der Zyklus von vorn. Aber wie geht das und wie findet man einen Ansatz bei Waren, die man nicht alle paar Wochen kauft?

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Für einige Händler und gerade auch für Hersteller ist die Antwort nicht immer nur im bestehenden Portfolio zu finden. Sie liegt eventuell in der Zukunft. In einem Produkt oder einer Dienstleistung, die heute noch nicht angeboten wird. Produkt-Service-System heißt das Denkmodell, das Sie hier auf die richtige Spur bringen kann.

Ein anderer Ansatz funktioniert nur in enger Verzahnung von digitalem Commerce und digitalisierter über das Internet vernetzbarer Produktion (Industrie 4.0). Die Möglichkeiten customized und individualisierte Produkte zu den Herstellungskosten von Massenware auf den Markt zu bringen, ist nur mit der direkten Einbindung der User-/Kauf-Daten in die Produktionsprozesse möglich. Für B2B-Hersteller die Chance, sich dem B2C-Segment und der Endkundenkommunikation zu öffnen.

Fazit:
Von Mailing über Social bis hin zur Produktion für ein neues Zielgruppensegment: Für eine gelungene Verbindung und Steuerung all dieser Aktivitäten ist eine Content-Strategie für Ihre Kommunikation unerlässlich. Diese sollte den Fokus auf den Menschen hinter dem Kunden setzen. Hierfür empfiehlt sich das Arbeiten mit Buyer Personas, die ein sehr realistisches Bild eines Menschen mit bestimmten Bedürfnissen geben. Buyer Personas versuchen, eine größtmögliche Sicht auf ihren Kunden zu bekommen. Welche Rolle Content Marketing, Storytelling und Buyer Personas im Onlineshop spielen, erfahren Sie in unserem Whitepaper ‘Erfolg mit Content Commerce in 10 Schritten”.

 

Content Commerce 360Grad Commerce

Autor

Caroline Helbing, OXID eSalesCaroline Helbing ist Business Analyst und Content Writer, OXID eSales AG. Die Kommunikationsexpertin graduierte in Paris und München und ist seit 16 Jahren im E-Commerce aktiv. Seit 2007 ist sie beim Freiburger Open Source eCommerce Hersteller OXID eSales. Caroline analysiert und bewertet Trends und Märkte hinsichtlich Wachstumsimpulsen und branchenverändernder Technologien. Aktuelle Schwerpunkte sind “Omnichannel”, “E-Commerce im Zeitalter von Industrie 4.0”, “B2B Geschäftsmodelle” und “Content Commerce”.

 

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