Umfrage Ergebnisse der Fashion Week Berlin

Gastblog: Snapshot-Studie zum E-Commerce in der Modeindustrie

Markenentwicklung hat in der Modeindustrie Priorität. An der IT-Systemintegration hapert es!

Wie steht es mit E-Commerce in der Modeindustrie? Während der Fashion Week Berlin 2017 hat w&co dazu mit 82 Verantwortlichen aus Marketing und Vertrieb persönlich gesprochen. Das Ergebnis: In erster Linie geht es um Markenentwicklung, das Kernproblem ist die fehlende IT-Systemintegration.

Die Modeindustrie gilt als Vorreiter im Online-Handel. Die Branche Fashion und Accessoires brachte mit 11 Mrd. Euro Umsatz in 2016 rund ein Viertel des gesamten Online-Umsatzes (*) in Deutschland. Aber was steht in der Praxis hinter diesen Zahlen?
Zunächst scheint alles wie gehabt: Laut der w&co Snapshot-Studie sind die wichtigsten Ziele im E-Commerce – abgesehen von der Umsatzsteigerung – Markenentwicklung (91%) und Reduzierung der Vertriebskosten (77%). Die Überraschung: Kundenzentrierung spielt eine untergeordnete Rolle, ebenso die Entwicklung von echtem Omnichannel-Commerce mit dem Webshop als zentrale Plattform für alle Kommunikationskanäle.
Die Gründe dafür werden auf dem zweiten Blick klar: Sie sind technischer Natur. Denn so gut wie alle – 79 von 82 Befragten – gaben an, dass fehlende bzw. unzureichende Schnittstellen zu anderen Systemen den Datenaustausch behindern, was Doppel-Arbeit erfordert bzw. das E-Commerce-System fehleranfällig macht.“

 

Umfrage Ergebnisse der Fashion Week Berlin

 

Veraltete Systeme belasten mit Kosten und Mehrarbeit

Über 40 Prozent beklagten, dass ihre Webshop-Systeme veraltet sind, was Pflege und Updates sehr aufwendig macht. Ein kritischer Punkt ist auch das Content Management. Lediglich eine Minderheit von 22 Prozent bestätigt, ihr Content-Management und die zugehörigen Prozesse über eine zentrale Plattform zu steuern. Ein gutes Drittel (34%) arbeitet hier mit einer heterogenen, gewachsenen Systemlandschaft. Fast jeder zweite gab an, verschiedene Plattformen für unterschiedliche Anforderungen im Content-Management einzusetzen.

Doch gerade mit dem Content-Management steht und fällt die Wirtschaftlichkeit im E-Commerce-Betrieb sowie die Fähigkeit, schnell und flexibel auf Marktanforderungen zu reagieren. Die Modeindustrie – ob Markenhersteller oder Händler – hat es im E-Commerce mit Tausenden von Bildern und Textbausteinen in unterschiedlichsten Versionen und Varianten zu tun, die zeitlich versetzt im Webshop sowie für Online-Marketing und Mailings eingesetzt werden. Wer Kosten und Zeit dafür im Griff behalten will, braucht ein plattformgestütztes, zentrales Management mit intelligenter Automatisierung.

So ist es auch nicht überraschend, dass die große Mehrheit der Befragten (70%) ihre Kundenansprache im Omnichannel-Commerce kaum vernetzt hat – es hat schlichtweg technische und organisatorische Hürden. Nur knapp neun Prozent behaupten von sich, im Omnichannel-Commerce so eng vernetzt zu sein, dass ein durchgängiger Blick auf Kunden über alle Kanäle gelingt.

Hier bleibt kaum Spielraum für Neuerungen. Innovative Technologien im E-Commerce wie Virtual Fitting, Augmented Reality, Artificial Intelligence oder Gamification müssen warten.

 

Automatisierung im E-Commerce-Betrieb steht auf Wunschliste ganz oben

Stellt sich die Frage, was derzeit auf der Wunschliste steht – mal abgesehen von limitierenden Faktoren wie Budget und Mitarbeiter. Aus einer ganzen Liste von Optionen gab es zwei absolute Sieger: Quasi alle (81 von 82 Befragten) votierten für die Entlastung von Routinen bzw. für Abläufe, die den Betrieb und die Bewirtschaftung des Web-Shops automatisieren. Derart befreit gaben ebenfalls 81 von 82 an, dass sie die Inszenierung der Produkte aufwendiger und individueller gestalten würden. Nur auf Platz drei (29%) kam der Wunsch, die oben genannten neuen Funktionen wie etwa Virtual Fitting und Gamification zu testen und in den Webshop einzubinden.

Die Umfrage zeigt: Offenbar betreiben viele Markenhersteller und Händler aus der Modebranche veraltete oder ungeeignete E-Commerce-Systeme. Es fehlt an der nötigen IT-Integration, historisch gewachsene Schnittstellen und Anpassungen machen die Systeme komplex – Pflege, Updates oder gar eine Weiterentwicklung solcher Umgebungen ist kaum möglich. Die Mehrarbeit, die sie verursachen, sprengen Budgets, die an anderer Stelle für Innovationen und Kundenorientierung gebraucht werden.

Eine Situation mit interessanten Chancen für diejenigen Markenhersteller und Händler, die als erstes Handeln: sich von den Fesseln überkommener E-Commerce-Systeme lösen, dadurch Ressourcen freisetzen und dies für innovative Kundenzentrierung und Wachstum nutzen – statt veraltete Strukturen mühsam am Leben zu erhalten.

Sie möchten es genauer wissen?
Mit kompletter Analyse steht die w&co Snapshot-Studie „E-Commerce in der Modebranche 2017: Technologischer Stand und strategische Herausforderungen“ kostenlos zum Download zur Verfügung.

 

E-Commerce in der Modeindustrie

(*)http://www.einzelhandel.de/online-monitor

Autor

Robert Scheider, Geschäftsführer w&co

Robert Schneider ist seit 2009 Geschäftsführer und Gesellschafter der w&co MediaServices GmbH & Co KG, Fullservice-Mediendienstleister in München, nachdem er dort zehn Jahre in verantwortlicher Position tätig war und 2002 Mitglied der Geschäftsleitung wurde. Davor war Schneider Mitglied der Geschäftsleitung und Gesellschafter beim Mediendienstleister Köhler & Lippmann in Braunschweig, einem Unternehmen der Graphic Group.

 

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