Beiträge

Verbot von Ungleichbehandlung im Onlineshop

Gastblog: EU-Parlament beschließt das Verbot von Geoblocking in Onlineshops

Am 06.02.2018 hat das EU-Parlament einem Verordnungsentwurf zugestimmt, mit dem Geoblocking von Webseiten verboten werden soll. Eine Studie der Europäischen Kommission hatte ergeben, dass lediglich 37 % der grenzüberschreitenden Online-Bestellungen erfolgreich waren. Mit dem Verbot des Geoblockings will die EU den Cross-Border E-Commerce ausweiten. Bereits im Mai 2016 wurde daher ein Entwurf mit sehr strengen Regelungen über das Geoblocking eingebracht. Nun hat das Parlament einer abgeschwächten Version zugestimmt. Wenn der Rat der Verordnung zustimmt, könnte die Verordnung noch in diesem Jahr in Kraft treten.

Was ist Geoblocking?

Unter Geoblocking versteht der EU-Gesetzgeber jegliche Ungleichbehandlung von Verbrauchern auf Grund ihres Wohnsitzes oder Aufenthaltsortes über Webseiten. Solche Ungleichbehandlungen können etwa in Zugangssperren für Webseiten bestimmter Länder liegen, in Weiterleitungen auf landesspezifische Seiten oder in der Angabe von unterschiedlichen Preisen, Zahlungsbedingungen oder AGB für Verbraucher aus unterschiedlichen Ländern.

Die Verordnung ist nicht so streng wie befürchtet

Der ursprüngliche Entwurf zum Geoblocking sah noch die Verpflichtung von Onlineshops vor, in sämtliche Mitgliedstaaten der EU zu liefern und das Onlineangebot damit auf sämtliche Mitgliedstaaten auszurichten. Das wäre jedoch mit erheblichen Problemen und Kosten für Shopbetreiber verbunden gewesen. Zwar sind bereits viele Bereiche im E-Commerce harmonisiert, allerdings finden sich immer noch erhebliche Abweichungen bei den Verbraucherrechten der einzelnen Mitgliedstaaten. Wären Shopbetreiber verpflichtet worden, ihr Angebot auf alle Mitgliedstaaten auszurichten, hätten sie die unterschiedlichen Rechtslagen aller Mitgliedstaaten berücksichtigen müssen, was technisch häufig gar nicht in einem Shop umsetzbar ist. Glücklicherweise wurde von diesem strengen Entwurf doch abgesehen, so dass räumliche Lieferbeschränkungen weiterhin zulässig bleiben. Hier können wir also Entwarnung geben. EU-Verordnung zum Geoblocking

Was ändert sich konkret für Onlineshops?

Webseitenbetreibern soll in Zukunft untersagt werden,

• den Zugang von Verbrauchern zu Webseiten aus Gründen des Aufenthaltsortes durch technische Mittel oder auf anderem Wege zu sperren oder zu beschränken (Art. 3 Abs. 1):

Das bedeutet, dass der Zugang zum Onlineshop für alle Verbraucher der EU möglich sein muss. Hingegen zwingt die Vorschrift Händler nicht zugleich dazu, auch in alle Länder zu liefern. Shopbetreiber müssen folglich zwar ermöglichen, dass sich alle Verbraucher das Shopangebot ansehen können, dürfen aber die Bestellmöglichkeiten einschränken, so dass weiterhin nur in bestimmte Länder geliefert werden darf.

• Verbraucher auf eine Seite weiterzuleiten, die speziell auf Verbraucher mit einem bestimmten Aufenthaltsort zugeschnitten wurde (beispielsweise durch Layout oder Sprache), es sei denn, der Verbraucher hat der Weiterleitung ausdrücklich zugestimmt (Art. 3 Abs. 2):

Betroffen sind solche Onlineshops, die bereits verschiedene Shop-Versionen für verschiedene Länder betreiben. In diesem Fall ist es unzulässig, Besucher eines Shops auf Grund ihres Standortes automatisch auf einen speziell für diesen Standort konzipierten Shop weiterzuleiten. Die Ausnahme der Zustimmung dürfte in der Praxis leider keine große Rolle spielen. Im Zweifel müsste der Shopbetreiber die Zustimmung nachweisen können, was technisch nur sehr schwer umsetzbar wäre. Möglich ist dies jedoch, wenn die Nutzer Kundenkontos in einem Onlineshop eröffnen und über die Kontoeinstellungen die Möglichkeit haben die Weiterleitung selbst einzustellen und zu ändern. Auch wenn eine Zustimmung vorliegt, muss dem Nutzer jedoch „leicht zugänglich“ ermöglicht werden, auch die Seiten des anderen Landes zu besuchen.

• Unterschiedliche Preise, AGB oder Zahlungsbedingungen für Verbraucher mit verschiedenen Aufenthaltsorten anzuwenden (Art. 4):

Verbraucher aus unterschiedlichen Ländern dürfen danach keine unterschiedlichen Nettopreise angezeigt bekommen. Ein unterschiedlicher Preis auf Grund verschiedener Umsatzsteuersätze ist weiterhin erlaubt.

Das Verbot der unterschiedlichen Zahlungsbedingungen bedeutet nicht, dass der Shopbetreiber in seiner Wahl der angebotenen Zahlmethoden eingeschränkt wird. Nach wie vor dürfen die Zahlmethoden eingeschränkt werden und der Shopbetreiber darf diese selbst auswählen. Jedoch darf keine Einschränkung auf Grund der Herkunft des Verbrauchers erfolgen. Wird beispielsweise die Zahlmethode per Kreditkarte angeboten, so darf die Zahlmethode nicht auf im Inland ausgestellte Kreditkarten beschränkt werden. Wird also eine Zahlungskategorie angeboten, so muss diese Kategorie von Kunden aus allen Mitgliedsstaaten akzeptiert werden.

Keine automatische Ausrichtung auf andere Mitgliedstaaten

Den eingangs beschriebenen Befürchtungen zum ursprünglichen Entwurf der Verordnung wurde durch den neueren Entwurf auch aktiv entgegengewirkt. So wird jetzt in Artikel 1a Abs. 5 klargestellt, dass die Einhaltung der neuen Vorschriften nicht automatisch dazu führt, dass Shopbetreiber ihre Tätigkeiten auf andere Mitgliedstaatsstaaten ausrichtet. Dass Verbraucher jetzt nicht mehr umgeleitet werden dürfen und „volle“ Zugangsmöglichkeiten erhalten, bedeutet also nicht, dass sich das Angebot auch an diese Verbraucher in allen EU-Staaten richtet und die besonderen verbraucherrechtlichen Regelungen dieser Mitgliedstaaten einzuhalten sind.

Wann treten die Neuregelungen in Kraft?

Ein genauer Termin ist noch nicht bekannt. Zunächst muss noch der Rat der Europäischen Union zustimmen. Eine zusätzliche Umsetzung der nationalen Gesetzgeber ist nicht erforderlich, da EU-Verordnungen unmittelbar in allen EU-Mitgliedsstaaten gelten. Wenn die Lesung im Rat also zeitnah und ohne größere Einwände erfolgt, ist ein Inkrafttreten noch in diesem Jahr wahrscheinlich.

 

Autor

Sabine Heukrodt-Bauer

Sabine Heukrodt-Bauer ist Sprecherin auf diversen Events und Kongressen der IT-Branche und Dozentin für IT-Recht an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie veröffentlicht regelmäßig Artikel zu aktuellen Themen im IT-Recht und E-Commerce und betreut seit über 10 Jahren für die INTERNET WORLD Business die Kolumne „E-Shop-Tipp“. Sie sitzt im Ausschuss „IT-Recht“ der Bundesrechtsanwaltskammer.

 

Shop Usability Award 2018 – Dabei sein bringt Buzz!

2018 kann der Shop Usability Award auf stolze 10 Jahre E-Commerce Geschichte zurückblicken. In dieser Zeit ist er zu einer echten Institution, zur „Leistungsschau des deutschen E-Commerce“ gereift. Wenn Benchmark – dann hier!
Anstatt sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, hat sich der Veranstalter dieses Jahr mit weiteren Leistungen, differenzierteren Kriterien und zusätzlichen Auszeichnungen nochmal gesteigert.

Wir fassen alle Informationen rund um den Wettbewerb zusammen und nennen die wichtigsten Argumente sowohl für Händler als auch Agenturen, sich dies nicht entgehen zu lassen. Außerdem machen wir Ihnen ein wirklich gutes Angebot. Aber eins nach dem anderen:

NEU: Exzellente Agenturen – noch mehr Ruhm für die Macher

Erstmals werden beim Shop Usability Award auch die besten Agenturen ermittelt. Der Preis wird in den 3 Kategorien „Innovation“, „Design“ und „Gesamtsieg“ verliehen und aus den gesamten Einreichungen einer Agentur errechnet.

Award Logo "Agency of the Year 2018" - Shop Usability Award

Eine direkte Bewerbung zur Agentur des Jahres ist nicht möglich. Berücksichtigt werden nur Agenturen, die mehr als 5 Shops zum Shop Usability Award 2018 eingereicht haben. Dieser Preis ist ein Empfehlungsschreiben allererster Güte, liebe Agenturen! Zögern Sie nicht lang, nehmen Sie Ihre besten Shops zum Shop Usability Award 2018 mit – und zwar alle!

Auch falls es nicht fürs Siegertreppchen reichen sollte: jede Einreichung verbessert Ihr Ranking und die Präsentation unter „Excellent Agencys“.

Alle Macht dem User! NPS und Publikumspreis

Der erfolgreich im letzten Jahr eingeführte Publikumspreis bietet auch dieses Jahr wieder eine zusätzliche Gewinnschance! Jeder Shop wird wieder kostenlos an der Sonderkategorie „Publikumspreis“ teilnehmen.

NPS Vote-Now Widget - Shop Usability Awards, PublikumspreisMehr als 20.000 Endverbraucher haben sich letztes Jahr für den Shop ARS24.de entschieden. Dieser Shop hat die besten Noten nach dem Net Promoter Score erhalten.

Auswertungen haben gezeigt, dass ein sehr starker Zusammenhang zwischen Weiterempfehlung, Kundenzufriedenheit und Kundenloyalität besteht. Genau das misst der Net Promoter Score. Deshalb wird die Methode weltweit als Standard für Loyalitätsmessung eingesetzt – egal ob von Shops, Services oder anderen Unternehmen.

Zur Ermittlung der Nominierungen werden die NPS Bewertungen vom 1. Februar – 30. April 2018 verwendet. Mindestens 50 Bewertungen sind notwendig, um beim Publikumspreis berücksichtigt zu werden.

NEU: UXme – nicht nur Ruhm, sondern Fakten

UXme Shopdaten zum Shop Usability Award

Alle teilnehmenden Shops können nach dem 4. Mai ihr Rating einsehen. Über die Applikation UXme werden für die Teilnehmer alle Zahlen zur Verfügung gestellt.

UXme bietet so den Machern den Zugang zu allen Erkenntnissen des Shop Usability Awards. Die umfangreiche Expertenbewertungen werden gezeigt und es lassen sich interessante Vergleiche ziehen – so kommen neue Ideen ganz von selbst.

Normalerweise ist der Zugang zu UXme kostenpflichtig. Für alle Shops, die am Shop Usability Award teilnehmen, kommt er als kostenloses Goodie obendrauf und kann auch nach dem Awardprozess noch genutzt werden!

OK, aber „time is money“!

… generell ein guter Punkt, in diesem Jahr aber kein Argument, um sich vor der Anmeldung zu drücken! Denn für den Shop Usability Award 2018 übernehmen wir für Sie den Anmeldeprozess und tragen auch die Anmeldegebühr in Höhe von 99€ für alle eingereichten OXID eShops.

Parallel geht Ihr Shop-Projekt auch für unseren GOLDEN CART AWARD 2018 ins Rennen! Diesen verleihen wir am 14. Juni 2018 auf der OXID Commons und mit der SUA-Bewerbung sind sie automatisch angemeldet: eine Anmeldung, zwei Gewinnchancen – effizienter geht es kaum.

Kategorien, Sonderkategorien und Masterclasses für exzellente Usability

Die Bewerber treten in jeweils einer der folgenden 12 Kategorien an:

  • B2B
  • Essen & Trinken
  • Freizeit, Hobby & Haustier
  • Elektronik, Software & Handy
  • Haushalt, Heimwerk & Garten
  • Möbel & Wohnen
  • Mode
  • Special Interest
  • Spielwaren, Kids & Baby
  • Sport & Outdoor
  • Accessoires, Geschenke & Lifestyle
  • Wellness, Beauty & Gesundheit

Da selbst ein so breiter Fächer der großen Bandbreite des heutigen E-Commerce nicht gerecht werden kann, kommen noch die folgenden 6 Sonderkategorien hinzu:

  • Innovativster Shop
  • Bester Markenshop
  • Social Projects
  • Bester Discounter
  • Small Business
  • Bester B2B Herstellershop

Ganz neu werden 2018 zum ersten Mal 3 Masterclass Kategorien ausgezeichnet. Für die MasterClass Kategorien können sich Shops nicht direkt bewerben. Die Nominierung erfolgt durch hervorragende Leistungen, die bereits in der Vorprüfung auffallen. Die drei Bereiche lauten: MasterClass Design, MasterClass Text & Bild und MasterClass Storytelling.

Wen haben wir denn da…?

Zur Erinnerung präsentieren wir Ihnen hier nochmal die OXID Gewinner der Vorjahres:

keller-sports.de - Innovativster Shop 2017 - Shop Usability Award

keller-sports.de – Innovativster Shop 2017

onmyskin.de – Bester Markenshop 2017 - Shop Usability Award

onmyskin.de – Bester Markenshop 2017

praxisdienst – Bester B2B-Shop 2017 - Shop Usability Award

praxisdienst.de – Bester B2B-Shop 2017

Aber das ist nur eine Auswahl der vielen prämierten Lösungen auf OXID Plattform.

>>Die Liste besten OXID Shops (der letzen beiden Jahre beim Shop Usability Award), liest sich beeindruckend!

Sie meinen, da fehlen noch einige? Ja. Doch. Das finden wir auch… Und wer dieses Jahr jubeln darf, haben wir mit der Projektrealisierung und schließlich der Anmeldung alle ein Stück weit in der Hand!

Die letzten Meter übernehmen wir für Sie und bringen Sie auf die Teilnehmerliste des Shop Usability Awards:

Photo Credits: Shoplupe.

Autor

Caroline Helbing, OXID eSalesCaroline Helbing ist Senior Analyst und Content Writer bei der OXID eSales AG. Die Kommunikationsexpertin graduierte in Paris und München und ist seit 16 Jahren im E-Commerce aktiv. Seit 2007 ist sie beim Freiburger Open Source eCommerce Hersteller OXID eSales. Caroline analysiert und bewertet Trends und Märkte hinsichtlich Wachstumsimpulsen und branchenverändernder Technologien. Aktuelle Schwerpunkte sind „Omnichannel“, „E-Commerce im Zeitalter von Industrie 4.0“, „B2B Geschäftsmodelle“ und „Content Commerce“.

Neue Informationspflichten für Onlinehändler

Gastblog: Neue DSGVO – Was Shopbetreiber jetzt tun müssen!

Neues EU-Datenschutzrecht ab Mai 2018 – Das sind die To Dos für Onlinehändler

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) tritt zum 25.05.2018 in allen Mitgliedsländern der Europäischen Union in Kraft. Soweit danach noch nationale Regelungen möglich, hat Deutschland bereits ein neues Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) verabschiedet, das ebenfalls zum 25.05.2018 in Kraft tritt. Es gibt weitreichende Änderungen, um die sich Onlinehändler, die sich bislang noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt haben, jetzt dringend kümmern müssen. Denn: Während Datenschutz bislang eher unter dem Motto „nice to have“ gehandhabt wurde, drohen jetzt mit der DSGVO extrem hohe Bußgelder für denjenigen, der sich nicht an die Vorschriften hält. Je nach Verstoß können hier zukünftig bis zu 10 Mio. EUR bzw. 20 Mio. EUR oder bis zu 4 % des gesamten, weltweit erzielten Jahresumsatzes verhängt werden.

 

1. To do: Führen eines Verfahrensverzeichnisses

Bis 25.05.2018 muss ein „Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten“ vorhanden sein, dass auf Anfrage, etwa im Rahmen eines Audits der Datenschutzbehörde, vorgelegt werden kann. Es gibt zwar eine Einschränkung der Dokumentationspflichten für kleine Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern, u. a. wenn die Verarbeitung personenbezogener Daten nur gelegentlich erfolgt. Davon kann jedoch auch selbst bei kleinen Shopbetreibern nicht die Rede sein, denn sie verarbeiten täglich die Bestelldaten ihrer Kunden. Auch sie müssen daher künftig alle Systeme und Verfahren auflisten, mit denen personenbezogene Daten verarbeitet werden. Beispiele: E-Mail-Software, CRM, Newsletter-Systeme, Analyse-Systeme (IP-Adresse!), Personal-Management-Systeme. Es muss u. a. aufgeführt werden, was der Zweck der jeweiligen Datenverarbeitung ist, welche Kategorien von betroffenen Personen und personenbezogenen Daten es gibt, welche Fristen für die Löschung der Daten vorgesehen sind, ob Daten in Drittstaaten übermittelt werden und welche technischen und organisatorischen Maßnahmen die Datensicherheit gewährleisten.

 

2. To do: Anpassen der Auftragsdatenverarbeitungsverträge

Beispiele für Auftragsverarbeitungen sind etwa die Nutzung von Cloud-Anwendungen wie Lohnbuchhaltung, CRM, Mailing-Systeme, eines externen Call-Centers für den Kundenservice, Durchführung von Gewinnspielen über eine externe Agentur oder das Managed Hosting von Webseiten/Onlineshops oder oder auch von Google Analytics. Immer dann, wenn die eigenen Kundendaten an Dritte zur Verarbeitung weitergegeben werden, ist auch nach jetzigem Recht bereits ein Auftragsdatenverarbeitungsvertrag nach § 11 BDSG abzuschließen. Die bisherige „Auftragsdatenverarbeitung“ wird jetzt zur „Auftragsverarbeitung“ und bringt neue Pflichten auch für den Auftragsverarbeiter mit sich. Während früher einfach nur Weisungsverhältnis zwischen dem Auftragsgeber und dem Auftragsnehmer bestand und der Auftragsgeber der verantwortliche „Herr der Daten” war, ist mit der DSGVO jetzt nur noch ein Auftragsverhältnis über die Datenverarbeitung erforderlich. Der Auftragsnehmer ist zwar immer noch weisungsgebunden, hat jetzt jedoch eigene Pflichten – auch gegenüber der Datenschutzbehörde – und haftet selbst neben dem Auftragsgeber.

Sämtliche bisherigen Auftragsdatenverarbeitungsverträge sind auf die neuen Pflichten und technischen und organisatorischen Maßnahmen hin zu aktualisieren. Die DSGVO sieht dazu auch Standardvertragsklauseln vor, die jedoch noch nicht vorliegen. Shopbetreiber können aber bereits jetzt schon einmal listen, welche Verträge es bei ihnen gibt und auch schon die vorhandenen Zertifizierungen überprüfen.

 

Die neue DSGVO 2018

 

3. To do: Überprüfung aller Erlaubnistatbestände und Einwilligungsprozesse

Wie bisher darf eine Datenverarbeitung nur erfolgen, wenn ein sog. Erlaubnistatbestand greift. Das können sein:
• die Einwilligung des Betroffenen,
• das berechtigtes Interesse des Unternehmers
• die Erfüllung vertraglicher Pflichten,
• die Beantwortung vorvertraglicher Anfragen,
• die Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen.

Wie bisher dürfen Daten zur Erfüllung vertraglicher Pflichten wie die Abwicklung einer Bestellung ohne besondere Einwilligung des Kunden verarbeitet werden. Gleiches gilt für die Beantwortung vorvertraglicher Anfragen, wenn etwa ein Interessent sich über das Kontaktformular der Webseite meldet. Die Erfüllung gesetzlicher Pflichten betrifft etwa die steuerrechtlichen Aufbewahrungspflichten. Zu Marketingzwecken dürfen Daten bei Vorliegen einer Einwilligung oder einem berechtigten Interesse verarbeitet und genutzt werden. Das berechtigte Interesse wird aber einen weiteren Anwendungsbereich haben als das bisher nach deutschem Recht der Fall ist. So erkennt die DSGVO beispielsweise die Werbeinteressen der Onlinebranche als ein berechtigtes Interesse an. In einem Erwägungsgrund wird ausdrücklich klargestellt, dass die Durchführung von Direktmarketing als berechtigtes Interesse betrachtet werden kann. Neben dem Einwilligungserfordernis wird also das „berechtigte Interesse“ an der Datenverarbeitung praktisch eine größere Rolle im Marketing spielen. Aber: Das Wettbewerbsrecht gilt weiterhin. E-Mail-Marketing wird daher zukünftig trotzdem immer nur mit vorherigem, ausdrücklichem Einverständnis des betroffenen zulässig sein und kann nicht einfach auf das berechtigte Interesse gestützt werden.

 

4. To Do: Anpassung der Einwilligungen

Einwilligungen können zukünftig formlos mündlich, elektronisch oder schriftlich eingeholt werden. Allerdings müssen Unternehmen das Vorliegen einer Einwilligung künftig nachweisen können. Sie müssen also schriftlich oder digital protokolliert werden. Digitale Einwilligungen sollten mit einer nicht vorab angeklickten Checkbox mit Double-Opt-In eingeholt werden. Außerdem muss der Betroffene bei der Einwilligung auf sein Widerrufsrecht hingewiesen werden.

 

5. To do: Stellen Sie sich auf die Betroffenenrechte ein

Nutzer und Kunden sind über eine Datenschutzinformation im Shop über ihre Betroffenenrechte zu informieren. Sie haben im Rahmen der DSGVO ein Auskunfts-, Berichtigungs-, Löschungs-, Einschränkungs-, Widerspruchs- oder ggf. Widerrufsrecht sowie das Recht auf Übertragbarkeit der Daten und das Recht auf Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde. Diese Rechte sind nicht alle neu. Neu sind allerdings die Konsequenzen, wenn der Shopbetreiber nicht innerhalb einer Frist von einem Monat auf entsprechende Anfragen von Betroffenen reagiert, denn dann können Bußgelder verhängt werden. Es ist daher erforderlich, alle Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren, denn es muss jedem klar sein, dass jede Anfrage die einmonatige Frist in Gang setzt. Es sollten in größeren Unternehmen daher Organisationsanweisungen formuliert werden. Eine weitere Möglichkeit ist auch, ein Onlineformular für die Anfragen auf die Webseite zu stellen, zum Beispiel direkt in die Datenschutzinformation, um eingehende Anfrage möglichst zu kanalisieren. Betroffene sind allerdings nicht verpflichtet, das Formular zu nutzen. Auch auf E-Mail-Anfragen oder Anfragen per Telefon oder Fax muss daher fristgerecht reagiert werden.

 

6. To Do: Anpassung der Rechtstexte

Es bestehen teilweise neue Informationspflichten für Shopbetreiber als „Verantwortliche“, die eine Anpassung der Werbe-Einwilligungstexte, der Datenschutzinformation, der Allgemeinen Geschäftsbedingungen und der sonstigen Informationstexte im Shop erforderlichen machen können. Der Kunde ist zu informieren über die Zwecke und die jeweilige Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung, ob ein Datentransfer in Drittstaaten erfolgt einschließlich der Angabe der jeweiligen Rechtsgrundlage, die Dauer der Datenspeicherung, das Bestehen des Auskunfts-, Berichtigungs-, Löschungs-, Einschränkungs-, Widerspruchs- oder ggf. Widerrufsrecht sowie das Recht auf Übertragbarkeit der Daten und das Recht auf Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde.

 

Autor

Sabine Heukrodt-Bauer

Sabine Heukrodt-Bauer ist Sprecherin auf diversen Events und Kongressen der IT-Branche und Dozentin für IT-Recht an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie veröffentlicht regelmäßig Artikel zu aktuellen Themen im IT-Recht und E-Commerce und betreut seit über 10 Jahren für die INTERNET WORLD Business die Kolumne „E-Shop-Tipp“. Sie sitzt im Ausschuss „IT-Recht“ der Bundesrechtsanwaltskammer.

 

Übersetzungen sind der erste Schritt in die Internationalisierung

Gastblog: Sind Ihre Übersetzungen so gut wie Ihre Internationalisierungsstrategie?

Der europäische Handel wächst immer weiter zusammen. Konzepte wie der Digitale Binnenmarkt nehmen konkrete Gestalt an, Verbraucher machen immer weniger Unterschiede zwischen Wohnsitz und Einkaufsland. Zuletzt zeigte dies eine von Pitney Bowes veröffentlichte Studie, laut der rund 70% der Konsumenten online ab und zu im Ausland bestellen. Allerdings kaufen 55% der Kunden nichts, wenn eine Seite nicht in ihrer Muttersprache verfügbar ist.

Wer noch Mühe hat, international die gleichen Erfolge wie im Heimatland einzufahren, sollte sich deshalb einmal näher mit seiner Übersetzungsstrategie beschäftigen. „Übersetzungsstrategie“ – klingt übertrieben? Macht aber Sinn, wenn man sich vor Augen führt, welche Ressourcen und Umsätze damit verbunden sind. Warum also die Übersetzung nicht genauso intelligent planen wie die Übersiedlung?

 

Klassische Internationalisierungsstrategien

 

Eine klassische Internationalisierungs-Strategie geht meist von den folgenden drei Punkten aus:

1) Zielgruppe: Welche Art von Personen brauchen mein Produkt oder meine Dienstleistung im jeweiligen Zielland? Wie groß sind diese Gruppen, welche Alltags- und Einkaufsgewohnheiten haben sie?

2) Absatzkanäle: Über welche Kanäle erreiche ich meine Zielgruppe am besten? Welche Plattformen, Marktplätze oder Seiten sind in meinem Zielland besonders beliebt?

3) Organisation: Wer übernimmt welche Aufgaben für den neuen Zielmarkt? Organisiere ich alles zentral oder arbeite ich mit Kollegen und Repräsentanten vor Ort zusammen? Welche rechtliche Form wähle ich?

Sobald diese Fragen beantwortet sind, kann der Handel auf dem ausländischen Markt beginnen. Erster Schritt dabei: die Übersetzung des Angebots. Dabei lässt sich an den gleichen strategischen Punkten ansetzen.

 

Braucht Übersetzung Strategie?

 

1) Zielgruppe: Im Zusammenhang mit der Landessprache dreht sich hier alles darum, seine Prospects richtig anzusprechen: Regionale Besonderheiten sollten genauso beachtet werden wie unterschiedliche Stilebenen.

Ein Beispiel: Biete ich auf dem US-Markt Strickjacken an und nenne sie nicht „jacket“, sondern „cardigan“, wie im britischen Englisch üblich, werden mich weniger Besucher über Organic Search finden und womöglich sogar weniger Kunden einkaufen, da sie annehmen, die Waren kämen aus Großbritannien und hätten eine längere Lieferzeit. Mein Tipp: Muttersprachliche Übersetzer sorgen hier für Authentizität und natürliche SEO-Vorteile.

 

Übersetzungen sind der erste Schritt in die Internationalisierung

 

2) Absatzkanäle: Um Kunden in einem vertrauten Ambiente abzuholen, kann der erste Schritt sein, seine Waren auf einem lokalen Marktplatz anzubieten. In diesem Fall ist es wichtig, Übersetzungen in großen Mengen integrieren zu können, ohne dass Formatierung oder Inhalt verloren gehen. Plug-ins oder APIs sind eine gute Methode, um Zeitverluste oder unabsichtlich vertauschte Informationen bei der Integration von Hand zu vermeiden.

Wenn der Hauptabsatzkanal die eigene Website sein soll, gilt bei der Übersetzung vor allem ein Gebot: das der Kohärenz. Alle Inhalte der Seite sollten in der gleichen Sprache abrufbar sein, Menüpunkte genauso wie Fußnoten. Ein Beispiel: Ein Schirmhersteller hat seine Produktinformationen sorgfältig übersetzt, vielleicht sogar Mailings und Design lokal angepasst. Auf der Bezahlseite aber schickt eine Software, wenn ein Formular unvollständig ausgefüllt ist, dem Kunden eine Fehlermeldung: auf Portugiesisch. Das passt in Portugal, führt aber in anderen Sprachräumen zu Misstrauen oder sogar dem Abbruch des Kaufs. Mein Tipp daher: Sich eine Übersicht über alle Textinhalte verschaffen und die Buyer’s Journey testen. Und nicht glauben, dass „Englisch für alle“ reicht.

 

3) Organisation: Genauso wie man sich vom System mit zwei Kollegen, die Informationen auf einen ausländischen Marketplace spielen, zu einem lokalen Standortbüro mit mehreren Mitarbeitern entwickeln kann, sollte man auch beim Übersetzungsmanagement flexibel sein.

Ein Beispiel: Der Product Owner muss für seine neue Release dringend noch 50 Labels in 3 Sprachen übersetzen lassen, das Marketing hat erst vor wenigen Stunden Kommunikationsmaterial in den gleichen Sprachen in Auftrag gegeben und die Country Managerin wartet noch auf einen Teil ihrer übersetzten Produktdateien. Bei der Zusammenarbeit mit wenigen Freelancern oder einer In-House-Kraft kann so ein Szenario schnell zu Prioritätsmikado ausarten und Zeit kosten. Mein Tipp: Für die Übersetzungen ein System nutzen, auf dem jeder seinen speziellen Content hochladen und an freie Übersetzer geben kann und das gleichzeitig erlaubt, alle Projekte und deren Fortschritt einzusehen.

 

Fazit:

Übersetzungen sind bei der Internationalisierung so alltäglich, dass sie kein Kopfzerbrechen bereiten dürfen. Es lohnt sich deshalb, sie von Anfang an strukturiert anzugehen. Das kann schnell für mehr Kunden und Konversionen auf der ausländischen Website sorgen, ohne dass dafür ganze Rebranding-Kampagnen nötig wären. Zum besseren Überblick und als To-Do bei der Website-Übersetzung empfehle ich zum Beispiel diesen Guide:

Best Practices zur Übersetzung und Lokalisierung der Website

 

 

Autor:

Victoria WeidemannVictoria Weidemann kümmert sich bei TextMaster um das Marketing für die DACH-Region. Sie interessiert sich insbesondere für den Zusammenhang zwischen Sprache und E-Commerce und für kulturelle Unterschiede zwischen verschiedenen Märkten. TextMaster ist die führende globale Übersetzungslösung für den E-Commerce mit über 10 000 Kunden in 110 Ländern. Kunden haben per Plattform oder Integration Zugang zu speziell entwickelten Technologien und einem Übersetzernetzwerk mit mehr als 50 Sprachen und Fachgebieten.

 

Umfrage Ergebnisse der Fashion Week Berlin

Gastblog: Snapshot-Studie zum E-Commerce in der Modeindustrie

Markenentwicklung hat in der Modeindustrie Priorität. An der IT-Systemintegration hapert es!

Wie steht es mit E-Commerce in der Modeindustrie? Während der Fashion Week Berlin 2017 hat w&co dazu mit 82 Verantwortlichen aus Marketing und Vertrieb persönlich gesprochen. Das Ergebnis: In erster Linie geht es um Markenentwicklung, das Kernproblem ist die fehlende IT-Systemintegration.

Weiterlesen

Logistik

Gastblog: E-Commerce-Logistik: Wir müssen reden! Oder wie Sie Ihre E-Commerce-Logistik nicht gegen die Wand fahren

Wenn Marketer und Einkäufer für einen Webshop große Verkaufsaktionen planen, sollten auch die Fulfillment- und Logistik-Partner ins Boot geholt werden. Doch was eigentlich logisch klingt, wird in der Praxis leider oft vergessen. Das gilt nach wie vor auch für „überraschende“ Auftrags-Spitzen wie Cyber Monday, Weihnachten oder die Schaltung von TV Spots.

Wenn ein stationär erfolgreicher Händler den Verkauf über den eigenen Webshop startet, passiert häufig folgendes: Auf Basis viel zu hoch kalkulierter Umsätze wird der Webshop an einen externen Dienstleister ausgelagert. Und obwohl in den ersten Monaten viel experimentiert wird, stellt sich der Erfolg nicht wirklich ein. Die Folge: Der Outsourcing-Partner reduziert seine vorgehaltenen Kapazitäten und stellt – häufig berechtigt – Nachforderungen an den Händler.

Schritt 1: Den Logistiker überfahren

Mit wachsender Erfahrung über erfolgsbringende Online-Mechanismen und sinnvolle Marketing-Aktivitäten steigen die Umsätze irgendwann an. Um die Kasse noch stärker klingeln zu lassen, startet der Händler seine erste große Werbeaktion nach dem Motto „20 Prozent auf alles“. Die Kunden beißen an und klicken in Scharen auf den Kaufen-Button. Allerdings vergessen die Shop-Betreiber meist, den Logistiker über das zu erwartende erhöhte Versandvolumen im Vorfeld zu informieren.

Logistik

Weil die ungeplanten Aufträge – mit Spitzen von über 50% des normalen Geschäftes – die Prozesskette überfordern und auch einfach nicht genügend Personal beim Fulfiller auf Knopfdruck parat steht, kommt es zu einem Rückstau in der Abarbeitung. Doch damit nicht genug: Im nun ausbrechenden Chaos werden zusätzlich manuelle Fehler begangen. Weil die erhöhten Bestellungen nicht rechtzeitig und teilweise auch noch fehlerhaft abgearbeitet werden, rufen die verärgerten Kunden vermehrt im Kundenservice an. Und auch diesen erwischt der ungeplante Peak vollkommen unvorbereitet. Das Resultat sind höhere Abwicklungskosten auf allen Seiten.

Schritt 2: Die Lager verstopfen

Im Anschluss wird in der Logistik nachgesteuert. Verantwortliche begeben sich auf die Suche nach Fehlern und Schuldigen. Mit dem Dienstleister wird nachverhandelt. Einzelne Schräubchen in der Prozesskette werden optimiert. Doch Einkauf und Marketing haben nun Geschmack an erfolgreichen Verkaufsaktionen im Online-Geschäft gefunden und wollen die erreichten Zahlen beispielsweise im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft noch erheblich steigern. Also baut der Einkauf das Sortiment aus und kauft pro Artikel höhere Stückzahlen ein. Die Marketingabteilung lässt sich ein anständiges Marketing-Budget für ihre Weihnachtskampagne freigeben und plant fleißig Aktionen.

Der Haken daran: Im schlimmsten Fall hat wieder mit dem Logistiker keiner gesprochen und mit ihm Pläne und Erwartungen abgestimmt. Schließlich muss dieser als beflissener Dienstleister ja aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und sicherstellen, dass das Geschäft reibungslos funktioniert – so die Denke des Auftraggebers.

Soweit die Theorie. Die Praxis jedoch sieht meist anders aus. Der erhebliche Sortiments-und Bestandsaufbau führt zu erneuten Engpässen in der Lagerhaltung. Weil das Lager maximal vollgestopft ist, kann das Waren-Handling nicht mehr effizient dargestellt werden – eine statische Lagerauslagung >85% ist logistisch generell ungesund. Um die Bestellspitzen abzufedern, werden kontinuierlich neue Arbeiter nachgeschoben, die allerdings aufgrund von Zeitmangel nicht ordentlich geschult werden können. Das Resultat: Das Lager wird kontinuierlich immer weniger leistungsfähig.

E-Commerce Logistik

Wer mitten im Schlamassel steckt, macht die Erfahrung: Eine effiziente Nachsteuerung unter Vollauslastung (>90% Lagerbelegung) ist ein Ding der Unmöglichkeit. Stattdessen geht die gesamte Energie darin auf, Brandherde zu löschen. Die Organisation wird immer handlungsunfähiger und eine Abteilung schiebt der anderen den schwarzen Peter zu. Als ultima ratio bliebe nur der Schritt, das Fulfilment Volumen zu reduzieren, indem beispielsweise geplante Marketing-Aktivitäten abgesagt oder verschoben werden, um die aufgelaufenen Bestellungen irgendwie abzuarbeiten.

Schritt 3: Aus Schaden klug werden

Doch wie kann man diese Eskalationen vermeiden und die Prozesse künftig besser gestalten? Prozess- und Systemoptimierer empfehlen den Aufbau mittelfristiger Abverkaufsplanungen – rollierend je Woche, Monat, Quartal oder Jahr. Der geplante Sortimentsaufbau muss mit dem Einkauf dokumentiert werden – mit Angaben zur Gesamtzahl der Artikel, den Sortimentsbereichen und den lagernden Artikelstücken. Auch mit dem Dienstleister sollte es regelmäßige Abstimmungen geben – idealerweise mit Management-Beteiligung zwischen Händler und Dienstleister. Darüber hinaus gilt es, Planzahlen zu analysieren und ein Tagesreporting auf Basis von Plan- und Istzahlen aufzusetzen.

Eine Szenarioplanung und Logistik-Stresstests simulieren die Leistungsfähigkeit der eigenen Prozesse bei Belastungsspitzen und geben goldwerte Einblick in eventuell noch bestehende Flaschenhälse. Basierend auf der Szenarioplanung für die kommenden Jahre sollte dann nach Weihnachten auch die Logistikstrategie entsprechend weiterentwickelt werden.

Das beruhigende Ergebnis: Nach Umsetzung dieser Maßnahmen werden Belastungsspitzen, wie das Weihnachtsgeschäft im Folgejahr auch bei erheblich gesteigerten Bestellvolumina logistisch problemlos gemeistert. Weder der Sortimentsaufbau noch das Marketing werden durch Engpässe in der Logistik ausgebremst. Händler und Dienstleister arbeiten partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammen. Und schlussendlich sinken durch die Prozessoptimierung und die Skalierung des Geschäftes auch noch die Logistikkosten. Dann endlich können alle Beteiligten aufatmen und sagen: Die Mühe hat sich gelohnt.

Autor

Oliver Lucas ecom consultingOliver Lucas ist Gründer der ecom consulting GmbH und hat mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich E-Commerce, Multichannel, Digitalisierung von Geschäftsprozessen und Fulfilment. ecom consulting ist ein Prozess- und Systemgestalter für profitablen Online-Handel und macht Organisationen fit für E-Commerce und Multichannel. Schwerpunkte in der Beratung und Prozessbegleitung sind die Optimierung von Backend-Systemen und Prozessen (IT-Architektur, Logistik, Fulfilment), die Synchronisation von E-Business-Strategien mit den Anforderungen des digitalen Marktes sowie Make-or-Buy-Analysen inklusive Auswahl passender Systeme und Dienstleister. Oliver Lucas hält zahlreiche Fachvorträge zu Praxisbeispielen und Erfolgsfaktoren im Multichannel und Fulfillment. Zudem moderiert er Fachveranstaltungen, Workshops und Expertenrunden.

 

Aufwand, Umsatz, Kosten Zahlungmethode

Gastblog: Cross Boarder Trading – Internationaler Handel als Motor für zusätzliches Wachstum

Im Online-Handel gibt es im Unterschied zum stationären Handel keine lokalen Beschränkungen. Der Händler in München ist für den Kunden nur einen Klick vom Händler in Hamburg entfernt. Ein Online-Händler ist deshalb nicht auf Kunden in der unmittelbaren Umgebung seines Unternehmens beschränkt. Für ihn ist der Kunde in der weit entfernten Stadt genauso gut erreichbar. Das gilt aber nicht nur für den unbeschränkten Handel innerhalb Deutschlands, sondern zunehmend auch für den Handel über Landes- und Kontinent-Grenzen hinweg (Cross Boarder Trade).

Cross Boarder Trade ist stark im Kommen

Was schon lange für elektronische Güter gilt (z.B. Musik- oder Softwaredownloads), das trifft zunehmend auch für physikalische Güter zu. 85 Prozent der deutschen Online-Händler stimmten laut einer aktuellen Studie von ibi Research der Aussage zu, dass das Auslandsgeschäft immer stärker an Bedeutung gewinnt. Weiterhin denken 72 Prozent der Befragten, dass die Konkurrenten aus dem Ausland zunehmend grenzüberschreitend verkaufen werden – ihnen also Konkurrenz im Kampf um deutsche Kunden machen werden. Handelsstatistiken belegen diese Annahme mit eindrucksvollen Zahlen: 309 Millionen Kunden kauften im Jahr 2014 Online im Ausland ein. Dabei wurden Waren und Services im Wert von 328 Mrd. US Dollar gekauft. (Quelle: Global B2C E-Commerce Report 2015, Ecommerce Foundation September 2015).

KostenvergleichMan braucht jedoch gar nicht so weit in die Ferne zu schweifen, um ein erquickliches Potenzial neuer Kunden ausfindig zu machen. Großbritannien ist das Land mit dem drittgrößten eCommerce-Umsatz weltweit. Dabei zeichnen sich die Briten nicht nur durch einen außerordentlich hohen eCommerce-Umsatz pro Käufer aus (mit über 3.600 USD im Jahr, mehr als drei Mal so hoch, wie der eines deutschen Käufers), sondern sie gehören auch beim „Fremdshoppen“ (Einkauf im Ausland) zu der Spitzengruppe im weltweiten Vergleich. 54% der Briten haben schon einmal im Ausland eingekauft, und 20% der Briten tun es regelmäßig. Doch leider kaufen die Briten ihre Waren viel lieber in Frankreich (etwa doppelt so oft) oder in nordischen Ländern (Norwegen, Dänemark, Schweden, mehr als doppelt so oft), als in Deutschland. Da gibt es also noch reichlich Entwicklungspotenzial für Deutsche Online-Händler.

Sprachbarrieren, Logistik und Bezahlung sind Herausforderungen

Denn auch wenn viele deutsche Online-Händler um die Wichtigkeit des Cross Boarder Trade wissen, so sind noch längst nicht alle Online-Händler für den ausländischen Markt gerüstet. Als wichtigste Faktoren für ein erfolgreiches Geschäft mit ausländischen Kunden sehen Online-Händler die ins Ausland verkaufen, die Anpassung der Sprache (78%), der AGBs (60%) und der Zahlungsverfahren (60%) an die jeweiligen Gegebenheiten der Länder in die verkauft werden soll. (Quelle: Internationaler E-Commerce – Status quo und Bewertung aus Händlersicht, ibi research 2016)

In der Tat kommt den angebotenen Zahlungsarten eine große Bedeutung zu, will man bei der ausländischen Kundschaft erfolgreich sein. So geben 29% der deutschen Online-Shopper gemäß einer Studie von Fitkau & Maaß an, dass sie den Einkauf abbrechen, wenn sie ihre bevorzugte Zahlart nicht angeboten bekommen. Wenn der Online-Händler also zum Beispiel nicht weiß, dass iDeal die mit Abstand am weitesten verbreitete Zahlart in den Niederlanden ist, wird er viele Kunden aus den Niederlanden spätestens beim Bezahlvorgang verlieren, wenn er diese Zahlart nicht anbietet. Eine genaue Kenntnis über die in den adressierten Ländern relevanten Zahlarten ist deshalb entscheidend, um Kaufabbrüche zu vermeiden und eine gute Conversion Rate zu erreichen.

Aufwand, Umsatz, Kosten ZahlungmethodeDen größten Aufwand bei der Erstellung eines ausländischen Online-Shops haben die an der von ibi Research durchgeführten Studie teilnehmenden Firmen bei der sprachlichen Anpassung (78 %), der Anbindung von Logistik-Dienstleistern (26%) und der Anbindung von internationalen Zahlungsdienstleistern (25%) ausgemacht. Mit den richtigen Partnern für die Zahlungsanbindung kann man den Aufwand für die Anbindung der internationalen Zahlarten erheblich reduzieren. Eine umfassende Information oder Beratung im Vorfeld der Umstellung hilft, Fehler zu vermeiden und den Aufwand auf ein Minimum zu reduzieren.

Fazit: Märkte nach und nach erobern

Die Hauptgründe für den Einkauf im Ausland sind in allen Ländern identisch:  günstigere Preise, und ein breiteres Warensortiment. Damit Ihnen bei Ihrer Preiskalkulation nicht die Kosten für die Zahlungsabwicklung die Wettbewerbsfähigkeit vermiesen, sollten Sie die Angebote verschiedener Anbieter für Zahlungslösungen vergleichen, denn bei den Konditionen ist mehr Spielraum als Sie denken.
Bei Ihren Expansionsplänen für den Cross Boarder Trade können Sie in Etappen vorgehen. Sei es, dass Sie zunächst andere deutschsprachige Märkte adressieren, oder sich auf Länder der Europäischen Union oder unsere Nachbarländer konzentrieren. Dabei beschränkt sich die deutschsprachige Zielgruppe durchaus nicht nur auf die Länder Österreich, die Schweiz und Luxemburg. Auch in den USA leben 5 Mio. deutschsprachige Kunden, und in Brasilien immerhin noch über 3 Millionen. Und unsere unmittelbar angrenzenden Nachbarländer (Belgien, Dänemark, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen und die Schweiz) weisen zusammen fast 85% des eCommerce-Umsatzes von Deutschland auf, und bieten dank hoher Quote an Auslandseinkäufen ein gutes Umsatzpotenzial. (Quelle: European B2C E-Commerce Report 2016, Ecommerce Foundation Mai 2016).

Autor

Ralf Oeckenfelds, How2PayRalf Ockenfelds ist Geschäftsführer Produktentwicklung bei der How2Pay Consulting & Solutions GmbH & Co. KG. Als Journalist und Buchautor spezialisierte er sich früh darauf, technische Themen leicht verständlich aufzubereiten. Nach über 10 Jahren journalistischen Wirkens für Print Medien, zuletzt als Chefredakteur des PC Magazins, wechselte er zunächst zu den Online-Medien, bevor er mit seinem ersten selbst gegründeten Unternehmen in das App Store-Business wechselte. Dies war sein Einstieg in die Welt des eCommerce, in der er nun seit über 14 Jahren tätig ist – seit 2 Jahren als Mit-Inhaber von How2Pay. Ralf durchkämmt kontinuierlich den Markt nach innovativen Lösungen für die Zahlungsabwicklung und analysiert die Leistungsfähigkeit der Systeme im Detail. Mit der gewonnenen Marktkenntnis berät How2Pay Shop-Betreiber bei der Optimierung ihrer Zahlungslösung – und das getreu Ralfs Motto aus frühen Journalistentagen: leicht verständlich und transparent.

B2B Shopsysteme im Vergleich

Wie finde ich das passende Shopsystem
für mein B2B-Geschäft?

 

Wenn Unternehmen sich erst mal entschieden haben, für ihre Produkte oder Dienstleistungen in den Onlinevertrieb zu gehen, beginnt eine oft lange und mühsame Suche nach dem idealen Shopsystem. „Welche Software passt am besten zu uns?“ „Mit welcher Lösung sind wir auch langfristig gewappnet?“ „Wie komme ich schnell und günstig zu meinem Onlineshop?“ Das sind nur einige wenige Fragen, die ein Projektteam beantworten muss.

Bei der Recherche stellt sich schnell heraus: Das ist ein Dschungel da draußen. Die Anbieter sind zahlreich. Die Lage ist unübersichtlich. Es gibt auch nicht das eine Shopsystem, das out of the box passt. Was für ein Unternehmen gut ist, muss es für das andere noch lange nicht sein. Kein Onlineshop gleicht dem anderen. Je nach Organisation, Struktur, Prozessen, Strategie und Zielen sind die Anforderungen eben gänzlich andere. Gerade im B2B-Segment. Und das macht es so schwierig. Außerdem findet man nirgendwo wirklich umfassende, detaillierte und neutrale Informationen, was denn nun von der einen oder anderen Onlineshop Software zu erwarten ist.

Pflichtlektüre für alle, die einen B2B Onlineshop einführen möchten

iBusiness Shopsystem-VergleichHier kommt Unterstützung! Die iBusiness hat in einer unabhängigen Studie die acht gängigsten Shopsysteme – unter und über 100.000 Euro – auf dem deutschen Markt genau unter die Lupe genommen. Angefangen vom Geschäftsmodell über die Vertriebskanäle bis zum geforderten Funktionsumfang, führt die Studie zu detaillierten Analysen der einzelnen Systeme von IBM, IntelliShop, Intershop, Magento, Oracle, Websale, SAP und OXID.

 

Alle Systeme verfügen über den für B2B-Shops benötigten Funktionsumfang. Anhand eines komplexen Fragenkatalogs wird geprüft, in welchen Anwendungsbereichen sie ihre größte Wirtschaftlichkeit entfalten. In sechs verschiedenen B2B Shopszenarien analysiert die Studie, welcher Funktionsumfang zur Umsetzung erforderlich ist. In einem nächsten Schritt wird der Aufwand für die Implementierung dargestellt. Auf diese Weise errechnet sich für jeden Shop eine individuelle Kurve, die deutlich die Stärken und Schwächen des jeweiligen Systems aufzeigen. Am Ende entsteht ein übersichtlicher Vergleich aller Systeme.
Eine echte Hilfestellung für alle B2B-Unternehmen, die in eine E-Commerce Plattform einsteigen wollen und nach einer geeigneten Lösung suchen.

Der Markt ist größer als das Endkundengeschäft

Dass B2B Shops auf dem Vormarsch sind, ist nicht zuletzt den Umsatzzahlen geschuldet. Mit Konsumenten wurden in 2015 50 Milliarden Euro umgesetzt. Im B2B-Segment wurde mit einem Volumen von mehr als 900 Milliarden Euro gehandelt. Das Potenzial ist also da. Manche sprechen von einer regelrechten Goldgräberstimmung. Die Frage mitmachen oder nicht, stellt sich nicht. Es ist eher die Qual der Wahl, welches System die individuellen Ansprüche am besten abdeckt – und vor allem, wie hoch der Installationsaufwand und die Kosten sind. Dafür leistet der iBusiness Shopsystem-Vergleich eine hervorragende Entscheidungshilfe.

Und wie schneidet das OXID B2B Shopsystem ab?

Die OXID eShop Enterprise B2B Edition erhält eine insgesamt hervorragende Gesamtbewertung: „Obwohl das Shopsystem mühelos in der Oberliga mitspielen kann und bestens für komplexe Aufgaben geeignet ist, bieten die Schwarzwälder zugleich eine günstige Einstiegsmöglichkeit: Sowohl die Lizenzkosten als auch der Betrieb als SaaS-Lösung in einem eigenen Rechenzentrum erleichtern den Einstieg erheblich. Für Wachstum ist das Shopsystem ebenfalls bestens vorbereitet – bis zur Vernetzung auf ERP-Ebene ist die Lösung für zahlreiche individuelle Herausforderungen gewappnet.“ Die Studie lobt die umfangreiche Grundausstattung des Systems, das „bereits vom Start weg den Anforderungen eines State-of-the-Art-Shops genügt.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

 

B2B Shopsystem-Vergleich

 

Autor:
Nicole Lipphardt OXID eSales AGNicole Lipphardt hat Germanistik und Politikwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg studiert. Über Umwege kam sie nach dem Studium zur Marketing Kommunikation bei GE Healthcare IT und später bei der Testo AG. Dort tauchte sie tief in die Facetten des Marketing ein. Ihre Leidenschaft für den redaktionellen Bereich lebt Nicole heute als Content Marketing Managerin bei der OXID eSales AG aus.

Shop Usability Award

Gastblog: Shop Usability Award 2016 – Jetzt anmelden

Der Shop Usability Award gehört zu den renommiertesten E-Commerce Awards in Deutschland. Seit 9 Jahren wird die begehrte Auszeichnung für nutzerfreundliche und authentische Online-Shops vergeben. Bis zum 30. Juni kann man sich noch bewerben!

 

Shop Usability AwardWas nicht jeder weiß – der Shop Usability Award hatte seinen Anfang 2008 auf einem Messestand von OXID eSales. Seitdem hat sich der Award weiter entwickelt und hat heute mehr als 500 Anmeldungen pro Jahr.

Dabei sind Shopbetreiber mit dem OXID Shopsystem typischerweise immer sehr erfolgreich. Im letzten Jahr konnte keller-sports.de den Gesamtsieg holen. Im Jahr zuvor war es tennis-point.de mit seinem OXID eShop.

Im neunten Jahr hat das Team von Shoplupe® einen komplett neuen Prüfkatalog ausgearbeitet, der seinesgleichen sucht. Sage und schreibe 34 Kriterien werden vom Expertenteam bewertet. Anschließend werden Testbestellungen in allen Shops durchgeführt.

 

Kern des Prüfkatalogs sind 4 Bausteine:

  • Attraktivität des Shops
  • pragmatische Qualität
  • hedonische Qualität
  • Dienstleistungsqualität durch Testbestellungen

 

Aus den besten Shops ergeben sich die Nominierten, die anschließend der Jury übergeben werden. OXID eSales Vorstand Roland Fesenmayr ist dieses Jahr ebenfalls wieder in der Jury und unterstützt den Award als Sponsor.

Melden Sie sich noch heute unter www.shop-usability-award.de an! Vielleicht werden Sie am 22. September zum großen Gala Event nach München eingeladen. Und vielleicht stehen Sie ja auf dem Siegertreppchen.

 

Autor

Johannes Altmann, ShoplupeJohannes Altmann ist Gründer und Geschäftsführer von Shoplupe® und berät mit seinem Team seit 2003 zahlreiche Nischenshops und die führenden Versandhändler. Laut exciting commerce gehört er zu den besten Beratern Deutschlands und die Zeitschrift t3n hat ihn Dezember 2013 unter die Top 10 der deutschen E-Commerce-Macher gewählt.

Caroline Helbing, OXID eSales

E-Sourcing vs. E-Commerce. Kampf der Giganten oder gemeinsam sind wir stark?

Was macht einen guten B2B-Shop eigentlich aus?

Sind es Funktionalitäten, Komfort, Sortiment oder vielleicht das Abbilden B2B-spezifischer Prozesse? Es ist sicher all das und noch mehr: der gute B2B-Shop schließt die Lücke zwischen den Erwartungen des Einkäufers, der schlicht nur schnell und easy benötigte Ware beschaffen will. Und denen des Verkäufers, der den Absatz für sein Unternehmen steigern will. Beide verfolgen komplett unterschiedliche Ziele. Sie kommen aber nur erfolgreich zusammen, wenn gemeinsame, digitale Strukturen gepflegt werden.

Bei aller Verschiedenheit zwischen Einkäufer und Verkäufer. In mindestens einer Sache sind sich beide einig. Es braucht effiziente Prozesse. In der Beschaffung läuft heute noch vieles analog. Das verschlingt unnötig Ressourcen. In Zeiten fortschreitender Digitalisierung stehen beide Seiten massiv unter Druck. Bestellungen per Fax sind auf Dauer definitiv kein praktikabler Weg mehr. Schnell muss also der Wechsel auf eine digitale Lösung vonstattengehen. Günstig sollte das Projekt sein. Aktuelle Bedürfnisse berücksichtigen, aber auch Flexibilität in der weiteren Entwicklung erlauben. Für viele Unternehmen bedeutet das, die häufig wild gewachsene IT-Systemlandschaft eingehend unter die Lupe zu nehmen. Und schlussendlich zu modernisieren.

Das klingt komplex und das ist es auch. Selbstredend kommt spätestens jetzt der IT-Verantwortliche ins Spiel. Er sondiert zunächst die Möglichkeiten für die elektronische Beschaffung (E-Procurement). Diese führen häufig über die Erweiterung des ERP-Systems, wo über gesicherte Zugänge in Extranets oder Intranets die Systeme von Kunden und Lieferanten vernetzt werden. Solche Beschaffungssysteme automatisieren Prozesse und erhöhen den Spielraum für Preisverhandlungen. Ist bereits ein Beschaffungssystem im Einsatz, wird die IT häufig die Erweiterung um ein Lieferantensystem (Supplier Portal, E-Sourcing) in Erwägung ziehen. Dieses deckt zusätzlich die Geschäftsanbahnung ab und lässt sich schnell in die IT-Landschaft integrieren.

Ist E-Procurement die richtige Lösung?

Die Frage stellt sich durchaus. Nach jüngsten Erhebungen scheint das nicht der Fall zu sein („BME-Stimmungsbarometer Elektronische Beschaffung“ 2015/2016). Nur 30% der befragten Unternehmen verfügen über elektronische Beschaffungssysteme. Auch wenn die schnelleren Abläufe Prozesskosten reduzieren, scheinen die Investitionen für Einführung, Weiterentwicklung und Pflege die Vorteile wieder auszuhebeln. Aus diesem Grund rentieren sich solche Systeme nur, wenn ein erheblicher Beschaffungsumfang zwischen dem Lieferanten und dem Kunden erfolgt, zum Beispiel bei Zulieferern der Automobilindustrie.

Selten geht bei diesem Thema der Blick von IT-Verantwortlichen über den eigenen Tellerrand hinaus. Sollte er aber. Denn so würde viel häufiger erkannt, dass gerade ein Onlineshop des Lieferanten viel für den Einkäufer tun kann. Er liefert vielleicht genau die Puzzleteile, die dem beschaffenden Unternehmen an den entscheidenden Punkten Erleichterung verschaffen. Etwa dass die Strukturen und Abläufe einer Einkaufsabteilung maßgeblich sind und bei der Beschaffung eine zentrale Rolle spielen.

Der B2B-Shop als attraktive Alternative

Für den Einkauf wäre es ein echter Vorteil, die vollautomatisierten Abläufe eines professionellen B2B-Shops zu nutzen. Selbstverständlich müssen auch hier Produkt, Preis und Service stimmen. Effiziente Prozesse sind jedoch ein wichtiger Kostenfaktor für jedes Unternehmen. So werden Einkäufer einen sauber aufgesetzten B2B-Shop einem schwerfälligen und wartungsintensiven E-Sourcing in vielen Fällen vorziehen. Das einkaufende Unternehmen reduziert die eigenen Aufwände, ohne selbst die intensive Maintenance stemmen zu müssen. Mit durchdachten Funktionen, vielfältigen Möglichkeiten der Selbstverwaltung (Rollen- und Rechte, Freigabeprozesse, Budgetlimits…) und einem B2C-ähnlichen Einkaufserlebnis wird der B2B-Shop zur attraktiven Alternative für Einkäufer.

Ein B2B-Shop bedeutet jedoch (noch?) nicht die Abkehr von anderen Absatzkanälen. Sourcing-Plattformen und B2B-Märktplätze können und müssen ergänzend zum B2B-Portal genutzt werden. Diese Offenheit für Multichannel-Präsenz, auch als Absatzmarketing Kanal, kann neue Marktsegmente erschließen und wird entsprechend honoriert. Denn auch Einkäufer wollen sich nicht unbedingt auf einen Lieferanten festlegen und haben zunehmend hohe Erwartungen an den geschäftlichen Einkauf. Je mehr verfügbare Kanäle sie dafür nutzen können, desto besser. Lieferanten werden um die Pflege von Marktplatzprofilen und Selbstdarstellung in E-Sourcing Portalen also nicht umhin kommen.

Fazit – Der B2B-Shop gewinnt an Gewicht

Der E-Commerce erobert zunehmend die Business-Welt unter Geschäftspartnern. Hier liegen die letzten großen Umsatzpotenziale im Onlinehandel. Händler und Hersteller müssen sich den gestiegenen Standards anpassen, um Marktanteile zu sichern. Zugleich müssen die eigenen System- und Prozesskosten überschaubar bleiben. Wenn Lieferanten derzeit massiv mit B2B-fähigen Lösungen in den E-Commerce einsteigen, müssen die beschaffenden Unternehmen das Rad nicht neu erfinden. Sie können auf den Errungenschaften des Gegenübers aufsetzen. Der Lieferant, um seine Kundenbeziehungen zu festigen, investiert in die Darstellung und Zugänglichkeit seiner Produkte; der Einkäufer konzentriert sich auf seine Bedarfskalkulation und Anforderungen an den Beschaffungsprozess – so nehmen sie sich in der Geschäftsbeziehung gegenseitig Mehrarbeit ab und ermöglichen den Fokus auf die eigenen Kernkompetenzen.

Sie finden dieses Thema interessant? Prof. Kleemann, Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart hält dazu einen Vortrag auf der OXID Commons 2016: Auswirkungen der Industrie 4.0 auf den Einkauf. Grundlagen, Zusammenhänge, Umsetzung. Tickets gibt es hier!

Autor
Caroline Helbing, OXID eSalesCaroline Helbing ist Senior Analyst und Content Writer bei der OXID eSales AG. Die Kommunikationsexpertin graduierte in Paris und München und ist seit 16 Jahren im E-Commerce aktiv. Seit 2007 ist sie beim Freiburger Open Source eCommerce Hersteller OXID eSales. Caroline analysiert und bewertet Trends und Märkte hinsichtlich Wachstumsimpulsen und branchenverändernder Technologien. Aktuelle Schwerpunkte sind „Omnichannel“, „E-Commerce im Zeitalter von Industrie 4.0“, „B2B Geschäftsmodelle“ und „Content Commerce“.