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Industrie & E-Commerce: Digitalisierung rückt die Werkbank an den Ladentisch

Industrie 4.0 Showcase von Cedalo, Halle 17, Stand B76, Hannover Messe

Tech-Startup CEDALO präsentiert auf Hannover Messe (24.-28. April 2017) Industrie 4.0-Showcase mit Integration zur OXID Plattform.

Produktion und E-Commerce Hand in Hand für den Industrie-Mittelstand.

Trendwende 4.0 – der Mittelstand ist spät dran

Nach einer steilen Karriere als Trendwort der letzten Jahre, ist der Begriff „Industrie 4.0“ trotz Gegenarbeit von Initiativen und Verbänden gerade für den Mittelstand zum Angstthema geworden.

Denn während die global Player längst dabei sind auf „Smart Factory“ umzustellen, bleibt die Diskussion jenseits des Konzernumfelds weitgehend theoretisch.

Vorträge, Workshops und Diskussionen spannen sich auf zwischen Belegen, dass tatsächlich die vierte industrielle Revolution im Gange ist, über Beschreibungen der vielen noch fremden internetbasierten Technologien, bis hin zu Ermahnungen, keinesfalls zu viel oder zu wenig Sicherheit/ Risiko/Meinungen miteinzubeziehen.

Auch wenn die Wichtigkeit des Themas im Management erkannt wurde, verharrt der Mittelstand in einer Mischung aus Starre und Panik. Denn mit der Digitalisierung werden enorme Investitionssummen erwartet; und das Tagesgeschäft soll und muss parallel laufen. Man will keine Fehler machen, aber mit dem Zögern tickt zugleich die Stoppuhr mit dem globalen Wettbewerb.

Industrie-Mittelstand braucht andere Lösungen als Konzernwelt

Um diesen Teufelskreis aus fehlender Kenntnis und unkonkreten Ängsten zu durchbrechen, helfen nur praktische Ansätze und echte eigene Erfahrungen. Neben einer gehörigen Portion Mut, neue Wege tatsächlich zu gehen, braucht der Mittelstand auch ganz konkret Systeme und Handwerkszeug, die auf ihre Größenordnung zugeschnitten sind.

Cedalo

Mit dieser Mission ist die Cedalo AG angetreten und präsentiert ihr Produkt „Process Sheets“ erstmals auf der Hannover Messe der breiten Öffentlichkeit.

Die als Cloud- oder Inhouse-Infrastruktur einsetzbare Lösung erlaubt die Modellierung, die Simulation und den Betrieb von Machine-to-Machine (M2M) Kommunikation auf Basis von MQTT.

Speziell für KMUs konzipiert, erlaubt Cedalo eine schrittweise Einführung neuer Prozesse durch Simulation und ein handhabbares Interface für dezentrale, autonome und asynchrone Abläufe.

Kristian Raue, Gründer Cedalo AG.

Kristian Raue, Gründer Cedalo AG.

Alle Fragen zur Simulation, Schnittstellen, Sicherheitsstandards und möglichen Anwendungsfällen können vom 24.-28. April direkt auf der Messe gestellt werden.

Der Showcase von CEDALO mit E-Commerce Anbindung an die OXID Plattform, ist auf der Hannover Messe in Halle 17 am Stand B76 zu finden.

Der Wurm muss dem Fisch schmecken

Neben einem risikominimierenden Pricing und der Unterstützungen eines gleitenden Change Prozesses hat Lösung von Cedalo auch den „Faktor Mensch“ im Blick.

Während „Personal 4.0“-Debatten darum kreisen, wie I4.0-Prozesse gestaltet und eingeführt werden müssen, um das bestehende Personal zu motivieren und zu schulen; setzt Cedalo bei den bestehenden Fähigkeiten und dem gewohnten Arbeitsumfeld derjenigen an, die im Unternehmen diesen Change tatsächlich konzipieren und konkret umsetzen müssen.

„Process Sheets“ bleibt in der UI und den Funktionalitäten nahe an xls-Tabellen und Spreadsheets, was eine intuitive Orientierung und schnelle Einsatzbarkeit sowie eine künftige Inhouse-Administrierung ermöglicht.

New Business für den Mittelstand

Viele produzierende Unternehmen prüfen oder planen derzeit ihren Einstieg ins E-Business oder den Aufbau einer E-Commerce Plattform. Wichtig ist schon in dieser Phase zu bedenken, dass Digitalisierung nicht am virtuellen Schaufenster und den Bestellprozessen endet. Denn digitale Absatzwege ragen bereits in Produktionsprozesse hinein und stoßen dabei auch Türen für neue Geschäftsfeldern auf.

Im zweiten Halbjahr 2017 veranstaltet OXID eSales zu diesen Fragen einen ThinkTank „E-Commerce und Industrie 4.0“. Interessenten melden sich bitte bei: [email protected]

Autor

Caroline Helbing, OXID eSalesCaroline Helbing ist Senior Analyst und Content Writer bei der OXID eSales AG. Die Kommunikationsexpertin graduierte in Paris und München und ist seit 16 Jahren im E-Commerce aktiv. Seit 2007 ist sie beim Freiburger Open Source eCommerce Hersteller OXID eSales. Caroline analysiert und bewertet Trends und Märkte hinsichtlich Wachstumsimpulsen und branchenverändernder Technologien. Aktuelle Schwerpunkte sind „Omnichannel“, „E-Commerce im Zeitalter von Industrie 4.0“, „B2B Geschäftsmodelle“ und „Content Commerce“.

woonio.de

Gastblog: Produkt-Service-Systeme – ein branchenübergreifendes Zukunftsmodell?

Mit der Sondertagung „Industrie 4.0“ auf der Commons 2016 eröffnete OXID als erster Shopsystemhersteller die Debatte zwischen Industrie- und E-Commerce-Experten zur Zukunft ihrer zusammenwachsenden Welten.

Es ist eine Tatsache, dass die Digitalisierung im B2B Produktions- und Vertriebsprozesse von Herstellern noch enger verzahnt.

  • Doch wie ist dies zukunftssicher und effizient zu bewerkstelligen?
  • Welche strategischen Ziele müssen Unternehmen dabei im Auge behalten?
  • Welche Risiken und neuen Chancen ergeben sich daraus?

Alexander Richter ist Wirtschaftsingenieur an der Hochschule Pforzheim und arbeitet in einem aktuellen Forschungsprojekt an einem Modell, um diese Entwicklungen zu beschreiben, als sogenannte „Produkt-Service-Systeme“. Denn ein großes Wachstumsfeld ist die Generierung neuer Servicefelder. Wie stark die Parallelen zum E-Commerce sind, erklärt er in diesem Gastbeitrag.

 


 

Die Rolle produzierender Unternehmen wandelt sich zurzeit grundlegend. Während sie sich bisher vor allem auf Entwicklung, Produktion und den Vertrieb qualitativ hochwertiger Sachprodukte konzentrierten, erwarten die Kunden von ihnen zukünftig mehr Dienstleistungen bis hin zu ganzheitlichen Komplettlösungen. Für die Bereitstellung einer solchen ganzheitlichen Lösung eignen sich Produkt-Service-Systeme (PSS) besonders gut. Sie bestehen aus einer Produkt- und einer Dienstleistungskomponente, deren Gewichtungen sich je nach Anwendungsfall stark unterscheiden können und bei der Gestaltung des Angebots bereits berücksichtigt werden.

 

Produktion im Wandel – hin zur Dienstleistung

Die Transformation zum PSS-Anbieter lässt sich beispielhaft an einem Maschinenbauunternehmen aufzeigen, welches in der Vergangenheit stark produktorientiert war. Durch die Herausforderung zur Wandlung zum Lösungsanbieter sehen sich solche Unternehmen mit der Generierung eines geeigneten Geschäftsmodells konfrontiert. So kann das Unternehmen unter Anwendung verschiedener Methoden und Vorgehensweisen ein Produkt-Service-System um sein Angebot herum aufbauen und dem Kunden problemorientierte Gesamtlösungen offerieren. Dadurch entstehen je nach Grad der Serviceorientierung verschiedene PSS, die von der einfachen Vermietung einer Anlage bis hin zum Rundum-Service-Vertrag mit entsprechender Bezahlung pro hergestelltem Teil realisiert werden können. Diese PSS sind in der Lage einen höheren Umsatz für den Anbieter zu generieren, zum anderen auch einen höheren Kundennutzen zu erzeugen und somit eine Win-Win Situation, eine stärkere Kundenbindung sowie einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil entstehen zu lassen. Dieses Beispiel veranschaulicht nur einen Anwendungsfall einer bestimmten Branche. PSS können jedoch in den meisten Branchen eingesetzt werden. Beispiele lassen sich heute schon in der Automobilindustrie, der Luftfahrt, der Lebensmittelindustrie, der IT und zahlreichen weiteren Bereichen finden.

Auch für den E-Commerce Bereich sind PSS ein interessantes Themenfeld und bieten Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle und Erlössysteme. Gerade im Zuge des digitalen Wandels lassen sich zum einen traditionelle Angebote mit digitalen Services ergänzt sehr gut online vermarkten, zum anderen entstehen aufgrund der neuen technologischen Möglichkeiten gänzlich neue Geschäftsmodelle, welche digital abgebildet werden können. Hierbei spielen digitale Services eine bedeutende Rolle.

 

Individualisierung – ab Losgröße 1

Ein interessantes Beispiel zur Digitalisierung und Customization von traditionell eher praktischen und handwerklichen Tätigkeiten ist die Plattform „form.bar“, welche im Onlineshop dem Kunden den Service des selbstgeformten und designten Möbelstücks anbietet. Somit wird das analoge Wandregal zu einem digitalen Gestaltungsgegenstand, den der Kunde individuell anpassen kann. Durch die digitale Vernetzung wird dieses bei einem möglichst am Kunden nahegelegenen Vertragsschreiner produziert, dem Kunden innerhalb weniger Wochen zugestellt und bei Bedarf auch aufgebaut.

Möbelhändler woonio.de war einer der ersten Onlineshops die 2009 auf OXID eShop mit einem Masstischkonfigurator live gingen.

Möbelhändler woonio.de war einer der ersten Onlineshops, die 2009 auf OXID eShop mit einem Masstischkonfigurator live gingen.

Allein dieses Beispiel zeigt, dass der digitale Wandel zahlreiche neue Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle bietet und mit den neuen Produktionsverfahren nahezu alles in Stückzahl 1 zu vertretbaren Kosten umsetzbar ist. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend in Zukunft branchenübergreifend noch deutlich verstärken wird. Daher ist die einzige Limitierung für neue Produktangebote und Dienstleistungen – natürlich neben einem vertretbaren finanziellen Rahmen – die eigene Phantasie und Kreativität. Seien Sie kreativ…

 

Autor

a_richterAlexander Richter ist Wirtschaftsingenieur und akademischer Mitarbeiter am Institut für Smart Systems und Services (IoS3) an der Hochschule Pforzheim.

Aktuell arbeitet er im vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekt Use-PSS (Usability betrieblicher Produkt-Service-Systeme im Mittelstand) an der Konzeptionierung, Entwicklung und der Validierung neuer Produkt-Service-System-Konzepte.