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Personalisierung: Raus aus den Kinderschuhen!

Teil 1: Personalisierungsoption in OXID eShop – die (Markt)Theorie

Das Thema Personalisierung ist in aller Munde. Angefeuert durch den Hype um Künstliche Intelligenz, geht die „interessensbezogene Aussteuerung von Inhalten“ (Content, Produkte, Angebote…) oder anders umschrieben „das richtige Angebot zum passenden Zeitpunkt“ im E-Commerce gerade in die heiße Phase. Kaum ein Event, Kongress oder Newsletter, wo einem das Thema nicht nähergebracht wird. Doch wie steht es wirklich um die individuelle Kundenansprache im Webshop? Haben Händler die Relevanz des Themas erkannt und schreiten gerade im Hintergrund emsig zur Tat? Oder warum ist es so seltsam still bei den Anbietern und niemand brüstet sich mit einer wirklich gelungenen Personalisierungsstrategie?

“Personalisation: the automatic tailoring of sites and messages to the indivuduals viewing them so that we can feel that somewhere there’s a piece of software that loves us for who we are.”

David Weinberger, Autor

Status Quo Personalisierung

Die Internet World hat letzte Woche die Probe aufs Exempel gemacht. Sie veröffentlichte die Erfahrungen unter dem Aspekt personalisierter Einkaufserlebnisse nach 4 Wochen Onlineshoppen bei einigen der größten Shops in der Branche. Die Ergebnisse sind ernüchternd bis enttäuschend. Da ist die Rede von Shops, die jedes Mal wieder von Neuem die Kleidergröße abfragten, trotz Login und großzügiger Überlassung persönlicher Daten im Test-Account. Die Probandinnen berichten von regelrechten „Echt-jetzt?“ Momenten, wenn der Shop partout Sommerschläppchen anbieten wollte, obwohl bei den letzten Besuchen nach Winterschuhen gesucht wurde.

Das Fazit: „Klassisches Stöbern und gute Filter führten besser und schneller zum passenden Produkt. Offenbar dauert es noch, bis der Algorithmus die Shopper-Seele wirklich verstehen lernt.“ Für die Kunden ist also von maßgeschneiderten Angeboten passend zum aktuellen Bedarf noch nicht viel zu spüren.

Personalisierung zwischen Anspruch & Realität

Der Anspruch des Kunden

Das Experiment spiegelt wider, was wir am Markt wahrnehmen. Jeder spricht darüber, aber nur wenige Shopbetreiber arbeiten an einem entsprechenden Konzept, den Onlineshop mit Tools und Technologien fit für das Zeitalter des Individuums zu machen. Denn dieses erwartet zunehmend die persönliche Ansprache und möchte eben nicht nach dem aktuellen Wunschprodukt ewig stöbern müssen. Glaubt man den zahlreichen Studien, die das Kundenverhalten analysiert haben, ist der Personalisierungswunsch der Kunden Fakt:

  • 75% der Besucher verlassen sofort wieder einen Shop, wenn sie ein für sich uninteressantes Produkt angezeigt bekommen
  • 48% der Interessenten brechen den Kauf ab, wenn er nicht auf tatsächliche Bedürfnisse zugeschnitten ist
  • Personalisierungsanbieter berichten von durchschnittlichen Conversion Steigerungen von 25% unter Einsatz von entsprechenden Technologien

Die Wirksamkeit von Personalisierung im Onlinehandel ist unbestritten. Händler, die nicht dringend aufrüsten, werden Kunden verlieren, für die der nächste Anbieter nur einen Mausklick entfernt ist und der vielleicht just das treffende Kaufangebot unterbreitet.

48% aller User brechen den Einkauf ab, wenn er nicht auf tatsächliche Interessen zugeschnitten ist.

Accenture, 12/2017

Die Realität des Händlers

Weshalb also, kommt das Thema im Shopping-Alltag nicht so recht in Schwung? Offensichtlich gibt es viele Vorbehalte gegen Personalisierung.  Shopbetreiber haben gemeinhin viele Gründe, weshalb das Thema für sie ein heißes Eisen ist:

  • Angst vor hohem Arbeitsaufwand und hohen Projektkosten
  • Angst vor hohen Preisen für entsprechende Lösungen
  • Der richtige Umgang mit Datenschutz, Tracking, Big Data
  • Bedenken vor dem Einsatz von KI und wie dieser sich auf das Business auswirken könnte
  • Das komplexe Handling von Kundendaten
  • Schwierigkeiten bei Einrichtung und Betrieb
  • Die Haltung sensibilisierter Kunden, die eben nicht gerne ihre Daten hinterlassen

Personalisierung als echter Wettbewerbsvorteil

Trotz aller Schmerzpunkte, zu denen es von vielen Herstellern und Dienstleistern am Markt professionelle Unterstützung gibt: gerade jetzt ist der Moment für Händler, einzusteigen! Während viele noch zögern, kann man sich entsprechend positionieren und mutig voranschreiten:

  • Und mit Personalisierungsmaßnahmen dem Kunden ein bedarfsgerechtes, überzeugendes Einkaufserlebnis bieten
  • dadurch mehr Interessenten zu Kunden konvertieren
  • zögerliche oder preissensible Kunden überzeugen
  • die Bestellwerte eines Einkaufskorbes signifikant erhöhen
  • durch die 1:1 Kommunikation mit dem Kunden mehr Interaktion im Shop erreichen
  • den Kreis der Stammkundschaft erhöhen
  • durch Personalisierung in Echtzeit das Business skalieren

Also alles in allem, mehr Umsatz im Shop generieren! Klingt das nicht verlockend?

65% aller Händler registrieren Umsatzsteigerungen nach dem Einsatz von Maßnahmen zur Personalisierung.

etailment

Fazit

Es ist an der Zeit, Startseiten in Webshops abzuschaffen, die täglich im Gießkannenprinzip den Top-Seller anpreisen, unabhängig davon, ob der Kunde jung, alt, männlich, weiblich, dick, dünn, reich oder arm ist. Personalisierung ist der Conversion-Hebel schlechthin. Diesen gilt es jetzt umzulegen. Das Angebot an guten Lösungen von erfahrenen Dienstleistern und Herstellern ist da. Informieren Sie sich und nutzen Sie es. Sprechen Sie uns an!

Den Kundenwunsch immer im Blick mit Personalisierungsmaßnahmen
Den Kundenwunsch immer im Blick mit der Personalisierungsoption in OXID eShop!

Autor

Nicole Lipphardt OXID eSales AG

Nicole Lipphardt studierte Germanistik und Politikwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Über Umwege kam sie nach dem Studium zur Marketing Kommunikation bei GE Healthcare IT und später bei der Testo AG. Dort tauchte sie tief in die Facetten des Marketing ein. Ihre Leidenschaft für den redaktionellen Bereich lebt Nicole heute als Content Marketing Managerin bei der OXID eSales AG aus.

Umfrage Ergebnisse der Fashion Week Berlin

Gastblog: Snapshot-Studie zum E-Commerce in der Modeindustrie

Markenentwicklung hat in der Modeindustrie Priorität. An der IT-Systemintegration hapert es!

Wie steht es mit E-Commerce in der Modeindustrie? Während der Fashion Week Berlin 2017 hat w&co dazu mit 82 Verantwortlichen aus Marketing und Vertrieb persönlich gesprochen. Das Ergebnis: In erster Linie geht es um Markenentwicklung, das Kernproblem ist die fehlende IT-Systemintegration.

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Sebastian Benoufa, OXID eSales AG

Podcast: Wie kommt der Kunde in den Shop? Sebastian Benoufa (OXID) im Interview mit eCommerce-Vision

Wie kommen Kunden heute in die Shops? Mit diesen und vielen weiteren Fragen zum State of E-Commerce in Deutschland fühlt Thomas Ottersbach von eCommerce-vision.de dem E-Commerce Urgestein und geschätzten Kollegen Sebastian Benoufa, Key Account Manager bei OXID eSales auf den Zahn.

Begonnen beim Thema Einkaufserlebnis und wo die Stärken online vs. stationär sich gegeneinander aufwiegen. Über die Customer Journey und welche Rolle Mobile dabei spielt. Ob Omnichannel die Erwartungen erfüllt oder sich doch als Totgeburt herausstellt und schließlich, wie sich der E-Commerce Markt in den nächsten Jahren entwicklen wird.

Gleich vorweg: das Thema Daten kehrt als Dreh- und Angelpunkt immer wieder.

Wer sich ein Stündchen Zeit für geballtes Wissen nehmen kann, lauscht dem gesamten Interview auf Soundcloud (alternativ iTunes oder Stitcher).

Für Eilige unten die wichtigsten Sprungmarken!

Die Themen mit Sprungmarken im Überblick:

0:00  – Einführung ins Thema

2:07  – Wer ist Sebastian Benoufa. Was macht OXID?

3:19 – Wandel des E-Commerce Markts und die Herausforderungen früher und heute. Und wobei und womit die Big Player wie Amazon dem E-Commerce gut getan haben.

4:50 – Die besonderen Herausforderungen für den Mittelstand (B2C/B2B)

5:50  – Die Hersteller- und die Händlersicht: Marktplätze vs. Markenshops?

7:45 – Einkaufserlebnis und Beratungskompetenz im E-Commerce.
Augmented Reality gegen oder worum es wirklich geht.
Was man von Apple lernen kann. Welche Warengruppe eine Ausnahme bildet und warum.

12:00 – Thema „Daten“ in a Nutshell: Herstelleraufgabe vs. Händleraufgabe.

13:00 – Mobiler Markt: von Wachstum, Conversion Rate, Multi-Device-Tracking und wann ein mobiler Zugriff auch wirklich ein mobiler Zugriff ist.

17:40 – Customer Journey hands-on
Über welche Kanäle wird der Kunde in den Shop geführt und welche Bedeutung kommt Social Commerce zu? Die Rolle des Mittelstands. Die Sicht der Hersteller und Großhändler, und das Rasiermesser CPO.

23:20 – Omnichannel – Zukunftsversprechen oder Totgeburt?
Was das Scheitern von Butlers bedeutet und mit was für einer Komplexität man es wirlich zu tun hat.

28:00 – Hand aufs Herz: Hat der Omnichannel Zukunft?
Oder werden und bleiben es zwei Welten: pure play online und ausgedünnter stationärer Handel?

30:34 – Kleinere Händler und die Digitalstategie
Woran es hapert, für wen der Zug schon abgefahren ist und welche Rolle Verbundgruppen spielen.

35:15 – Wachstumsmarkt B2B – wirklich so anders als B2C?
Was die Prozesse betrifft, was der B2B-Einkäufer denkt. Und ein Frage zur Business-Case und Systemarchitektur aus der Möbelbranche.

41:58  – Stichwort: Fehlende Expertise und Aufklärungsarbeit in Sachen Digitalstrategie
Was man wirklich wissen muss und wo die größten (vermeidbaren) Fehler lauern.

44:28 – Kommt die „AmazonAd“ für OXID?
Stichwort: Programmatic Advertising! Die Marketingantwort und die Herstellerantwort.

48:06 – Der Blick in die Glaskugel des E-Commerce

51:04 – Summary und Verabschiedung

Autor

Caroline Helbing, OXID eSalesCaroline Helbing ist Senior Analyst und Content Writer bei der OXID eSales AG. Die Kommunikationsexpertin graduierte in Paris und München und ist seit 16 Jahren im E-Commerce aktiv. Seit 2007 ist sie beim Freiburger Open Source eCommerce Hersteller OXID eSales. Caroline analysiert und bewertet Trends und Märkte hinsichtlich Wachstumsimpulsen und branchenverändernder Technologien. Aktuelle Schwerpunkte sind „Omnichannel“, „E-Commerce im Zeitalter von Industrie 4.0“, „B2B Geschäftsmodelle“ und „Content Commerce“.

Logistik

Gastblog: E-Commerce-Logistik: Wir müssen reden! Oder wie Sie Ihre E-Commerce-Logistik nicht gegen die Wand fahren

Wenn Marketer und Einkäufer für einen Webshop große Verkaufsaktionen planen, sollten auch die Fulfillment- und Logistik-Partner ins Boot geholt werden. Doch was eigentlich logisch klingt, wird in der Praxis leider oft vergessen. Das gilt nach wie vor auch für „überraschende“ Auftrags-Spitzen wie Cyber Monday, Weihnachten oder die Schaltung von TV Spots.

Wenn ein stationär erfolgreicher Händler den Verkauf über den eigenen Webshop startet, passiert häufig folgendes: Auf Basis viel zu hoch kalkulierter Umsätze wird der Webshop an einen externen Dienstleister ausgelagert. Und obwohl in den ersten Monaten viel experimentiert wird, stellt sich der Erfolg nicht wirklich ein. Die Folge: Der Outsourcing-Partner reduziert seine vorgehaltenen Kapazitäten und stellt – häufig berechtigt – Nachforderungen an den Händler.

Schritt 1: Den Logistiker überfahren

Mit wachsender Erfahrung über erfolgsbringende Online-Mechanismen und sinnvolle Marketing-Aktivitäten steigen die Umsätze irgendwann an. Um die Kasse noch stärker klingeln zu lassen, startet der Händler seine erste große Werbeaktion nach dem Motto „20 Prozent auf alles“. Die Kunden beißen an und klicken in Scharen auf den Kaufen-Button. Allerdings vergessen die Shop-Betreiber meist, den Logistiker über das zu erwartende erhöhte Versandvolumen im Vorfeld zu informieren.

Logistik

Weil die ungeplanten Aufträge – mit Spitzen von über 50% des normalen Geschäftes – die Prozesskette überfordern und auch einfach nicht genügend Personal beim Fulfiller auf Knopfdruck parat steht, kommt es zu einem Rückstau in der Abarbeitung. Doch damit nicht genug: Im nun ausbrechenden Chaos werden zusätzlich manuelle Fehler begangen. Weil die erhöhten Bestellungen nicht rechtzeitig und teilweise auch noch fehlerhaft abgearbeitet werden, rufen die verärgerten Kunden vermehrt im Kundenservice an. Und auch diesen erwischt der ungeplante Peak vollkommen unvorbereitet. Das Resultat sind höhere Abwicklungskosten auf allen Seiten.

Schritt 2: Die Lager verstopfen

Im Anschluss wird in der Logistik nachgesteuert. Verantwortliche begeben sich auf die Suche nach Fehlern und Schuldigen. Mit dem Dienstleister wird nachverhandelt. Einzelne Schräubchen in der Prozesskette werden optimiert. Doch Einkauf und Marketing haben nun Geschmack an erfolgreichen Verkaufsaktionen im Online-Geschäft gefunden und wollen die erreichten Zahlen beispielsweise im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft noch erheblich steigern. Also baut der Einkauf das Sortiment aus und kauft pro Artikel höhere Stückzahlen ein. Die Marketingabteilung lässt sich ein anständiges Marketing-Budget für ihre Weihnachtskampagne freigeben und plant fleißig Aktionen.

Der Haken daran: Im schlimmsten Fall hat wieder mit dem Logistiker keiner gesprochen und mit ihm Pläne und Erwartungen abgestimmt. Schließlich muss dieser als beflissener Dienstleister ja aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und sicherstellen, dass das Geschäft reibungslos funktioniert – so die Denke des Auftraggebers.

Soweit die Theorie. Die Praxis jedoch sieht meist anders aus. Der erhebliche Sortiments-und Bestandsaufbau führt zu erneuten Engpässen in der Lagerhaltung. Weil das Lager maximal vollgestopft ist, kann das Waren-Handling nicht mehr effizient dargestellt werden – eine statische Lagerauslagung >85% ist logistisch generell ungesund. Um die Bestellspitzen abzufedern, werden kontinuierlich neue Arbeiter nachgeschoben, die allerdings aufgrund von Zeitmangel nicht ordentlich geschult werden können. Das Resultat: Das Lager wird kontinuierlich immer weniger leistungsfähig.

E-Commerce Logistik

Wer mitten im Schlamassel steckt, macht die Erfahrung: Eine effiziente Nachsteuerung unter Vollauslastung (>90% Lagerbelegung) ist ein Ding der Unmöglichkeit. Stattdessen geht die gesamte Energie darin auf, Brandherde zu löschen. Die Organisation wird immer handlungsunfähiger und eine Abteilung schiebt der anderen den schwarzen Peter zu. Als ultima ratio bliebe nur der Schritt, das Fulfilment Volumen zu reduzieren, indem beispielsweise geplante Marketing-Aktivitäten abgesagt oder verschoben werden, um die aufgelaufenen Bestellungen irgendwie abzuarbeiten.

Schritt 3: Aus Schaden klug werden

Doch wie kann man diese Eskalationen vermeiden und die Prozesse künftig besser gestalten? Prozess- und Systemoptimierer empfehlen den Aufbau mittelfristiger Abverkaufsplanungen – rollierend je Woche, Monat, Quartal oder Jahr. Der geplante Sortimentsaufbau muss mit dem Einkauf dokumentiert werden – mit Angaben zur Gesamtzahl der Artikel, den Sortimentsbereichen und den lagernden Artikelstücken. Auch mit dem Dienstleister sollte es regelmäßige Abstimmungen geben – idealerweise mit Management-Beteiligung zwischen Händler und Dienstleister. Darüber hinaus gilt es, Planzahlen zu analysieren und ein Tagesreporting auf Basis von Plan- und Istzahlen aufzusetzen.

Eine Szenarioplanung und Logistik-Stresstests simulieren die Leistungsfähigkeit der eigenen Prozesse bei Belastungsspitzen und geben goldwerte Einblick in eventuell noch bestehende Flaschenhälse. Basierend auf der Szenarioplanung für die kommenden Jahre sollte dann nach Weihnachten auch die Logistikstrategie entsprechend weiterentwickelt werden.

Das beruhigende Ergebnis: Nach Umsetzung dieser Maßnahmen werden Belastungsspitzen, wie das Weihnachtsgeschäft im Folgejahr auch bei erheblich gesteigerten Bestellvolumina logistisch problemlos gemeistert. Weder der Sortimentsaufbau noch das Marketing werden durch Engpässe in der Logistik ausgebremst. Händler und Dienstleister arbeiten partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammen. Und schlussendlich sinken durch die Prozessoptimierung und die Skalierung des Geschäftes auch noch die Logistikkosten. Dann endlich können alle Beteiligten aufatmen und sagen: Die Mühe hat sich gelohnt.

Autor

Oliver Lucas ecom consultingOliver Lucas ist Gründer der ecom consulting GmbH und hat mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich E-Commerce, Multichannel, Digitalisierung von Geschäftsprozessen und Fulfilment. ecom consulting ist ein Prozess- und Systemgestalter für profitablen Online-Handel und macht Organisationen fit für E-Commerce und Multichannel. Schwerpunkte in der Beratung und Prozessbegleitung sind die Optimierung von Backend-Systemen und Prozessen (IT-Architektur, Logistik, Fulfilment), die Synchronisation von E-Business-Strategien mit den Anforderungen des digitalen Marktes sowie Make-or-Buy-Analysen inklusive Auswahl passender Systeme und Dienstleister. Oliver Lucas hält zahlreiche Fachvorträge zu Praxisbeispielen und Erfolgsfaktoren im Multichannel und Fulfillment. Zudem moderiert er Fachveranstaltungen, Workshops und Expertenrunden.

 

Gastblog: Curated Shopping: Kunden die Auswahl erleichtern

Man stelle sich einen leicht ergrauten, etwas kauzigen amerikanischen Universitätsprofessor vor, der, nachdem er sich bis dato immer das gleiche Hosenmodell in einem kleinen Jeans-Geschäft gekauft hatte, in einem modernen Modekaufhaus mit einer riesigen Hosenauswahl konfrontiert wird. Dort gibt es Jeans in verschiedenen Farben, Formen, Waschungen und zahlreichen weiteren Varianten. Auf die Frage einer Mitarbeiterin „Which kind of jeans would you like?“, folgt sein leicht resigniertes „I want the kind of jeans that used to be the only kind.“

Dieser Professor heißt Barry Schwartz, lehrt Psychologie am Swarthmore College in den Vereinigten Staaten und beschreibt diese persönliche Anekdote in seinem Buch „The Paradox of Choice“. Die Geschichte verdeutlicht: Ein Mehr an Auswahl führt nicht zwangsläufig zu einem Mehr an Einkaufserlebnis und Kundenzufriedenheit.

Weniger Komplexität durch ein reduziertes Sortiment

Eine Lösung für das Paradox der übergroßen Auswahl ist die Kuratierung von Artikeln. Händler können die für ihre Zielgruppen relevanten Produkte identifizieren und nach diesen Vorgaben ihr Shop-Sortiment durch die Einkaufsabteilung handverlesen bestücken lassen. Ebenso können Web-Angebote so gestaltet werden, dass die Community sich selbst die Produktrosinen aus dem Onlineshop herauspickt. Mit dieser Strategie kann man den oben beschriebenen Lähmungserscheinungen zumindest teilweise entgegenwirken und Fehlkäufe reduzieren.

Im Modebereich greifen mittlerweile mehrere Unternehmen diese Strategie auf. Die Grundidee ist bei allen ähnlich: Das Angebot richtet sich an Kunden bzw. Kundinnen, die ein passendes und komplettes Outfit nach ihrem Geschmack geliefert bekommen möchten – ohne lange in Geschäften oder Online-Shops suchen zu müssen und sich von der dortigen Auswahl überwältigen zu lassen. So spart der Kunde Zeit und erhält ein von professionellen Stylisten ausgesuchtes und individuell zusammengestelltes Outfit.

Fazit

Sinnvoll kuratierte, d.h. auf die Zielgruppe zugeschnittene, Sortimente schärfen das Profil eines Online-Händlers, stärken dessen Marktchancen im direkten Wettbewerb mit Vollsortimentern und unterstützen bei der Erschließung neuer Kundengruppen und Märkte.

Autor
Dr. Roman Zenner ist Gründer und Geschäftsführer der wasmitweb GmRoman ZennerbH, einem E-Commerce-Beratungsunternehmen, das Onlinehändler bei ihrer technologischen und strategischen Strategie sowie bei der Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter unterstützt. Seit 2002 arbeitet er als Autor, Berater und Dozent und hat mehrere Fachbücher verfasst, unter anderem über den OXID eShop.